3 Monate, die noch bleiben

Germany

In drei Monaten sitze ich wieder in Deutschland. Wow. Die Zeit ist wirklich gerannt. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich schon über zwanzig Monate in der Ferne hinter mir. An manchen Tagen eher so, als wäre ich gestern angekommen. An anderen so, als würde ich schon mein Leben lang hier sein. Und nun werde ich alle Nase lang gefragt, ob ich denn meine Rückreise schon gut vorbereitet habe. Ehrlich gesagt möchte ich daran noch so wenig wie möglich denken. Eher daran, wie die letzten Monate verbracht werden, wer noch einmal besucht werden und welcher Nationalpark, Strand oder Städtebesuch noch einmal eingeplant werden muss. Meine Liste, mit Dingen die ich hier gern sehen und erleben möchte ist zwar etwas geschrumpft, hat aber noch zu viele Punkte auf dem Plan, die noch abgehakt werden müssen. Da sind zum Beispiel die Nilpferde in Kwazulu-Natal vor denen ich mich einmal fürchten möchte. Oder die Berge in Limpopo, die mir einmal den Atem nehmen sollen. Oder die Wasserschildkröten in St. Lucia, denen ich dabei zuschauen möchte, wie sie sich zum ersten Mal in die Weite des Ozeans stürzen. Wer möchte da daran denken, in ein kaltes Deutschland zurückzukehren und von einem Tag auf den anderen aus den Flipflops in dicke Winterboots zu wechseln? Tja Leute, es hilft ja nichts, ein paar Dinge müssen geplant und vorbereitet werden, ob ich das nun will oder nicht. Und unerwarteter Weise stellt sich das unlustiger dar als gedacht. Ein paar dicke Steine liegen da noch in unserem Weg. Die Vorbereitungen, diese aus dem Weg zu schaffen laufen.

Stein 1 – die Jobsuche. Wir leben in einer Welt, in der dank modernster Telekommunikationsmittel von einem Ende der Welt Kontakt mit der anderen Seite aufgenommen werden kann. Eine Welt, in der Arbeitnehmer nach Fachqualifikation, internationaler Erfahrung, drölfhundert Fremdsprachenkenntnissen und vor allem Flexibilität schreien. Sollte doch kein Problem sein, da was zu finden, oder? Immerhin lässt sich das jetzt alles abdecken. Nun ja, das stimmt dann wohl nur so halb. Während ich das Problem nach zwei Bewerbungen und zwei Bewerbungsgesprächen vom Tisch hatte, kämpft sich mein Mann durch den Dschungel der Stellenausschreibungen und Ausreden, warum er denn nun nicht eingeladen werden kann. Natürlich ist es die Entfernung und kaum einer will das Geld für einen Flug aufbringen. Das kann ich sogar noch gut verstehen. Warum sollte ein Flug für eine Stunde Vorstellungsgespräch nötig sein, wenn man einfach den Computer anschalten, Skype aufmachen und quasi für lau miteinander reden kann? Das machte jedenfalls für mich Sinn. Aber selbst die Arbeitgeber, die sich damit brüsten international tätig zu sein, ist das zu viel. Technikaffinität macht sich nicht breit. Die einen wissen nicht, wie das denn funktioniert und lassen sich in einem 30minütigen Telefongespräch erklären, wann man welchen Knopf drücken muss, damit das Gesicht auf dem Bildschirm erscheint und die anderen sind gleich ganz direkt: „Ich kann Skype nicht leiden, deswegen wüsste ich nicht, was ich Sie in einem Bewerbungsgespräch via Skype fragen sollte“, bekommt man da gesagt. Joar. Danke auch. Zum Thema Flexibilität kann man da wohl nicht mehr viel sagen, außer dass die Stellen allesamt befristet sind und bei einigen nicht mal der Eintrittstermin feststeht. Es verwundert mich dann, dass einige Firmen lieber das Geld auf den Tisch legen, und meinen Mann einfliegen lassen. Mal abgesehen, davon dass ich das für eine enorme Ressourcenverschwendung halte, die auch noch Urlaubstage frisst, die viel besser verwendet werden könnten, versuche ich das positiv zu sehen. Immerhin bringt das neben dem Vorstellungsgespräch auch die theoretische Möglichkeit, sich dem zweiten Problem zu widmen.

Stein 2 – die Wohnungssuche. Die Situation ist Folgende: Mein Mann ist dazu verpflichtet, bis zum letzten Tag seines Vertrages im Land zu bleiben, damit alles ordnungsgemäß übergeben werden kann und der ganze Pipapo. Das heißt für uns aber nun, dass wir am letzten Tag des Monats in den Flieger steigen und am ersten Tag des neuen Monats in Deutschland ankommen werden. Ab dann wird sich keiner mehr für uns interessieren. Während bei der Ankunft in Südafrika die ersten beiden Wochen für so Kleinigkeiten wie die Wohnungssuche freigestellt wurden, wird ein solcher Luxus auf der Rückreise nicht gestattet. Warum? Nun ja, die meisten kehren eh in ihr Haus oder ihre Wohnung zurück und der Rest kann ja mal eben die den Eltern unterkommen. Oder? Moment. Das funktioniert nicht. Wir haben weder Haus noch Wohnung. Wir haben nicht mal mehr den Großteil unserer Wohnungseinrichtung. Also bliebe nur der Weg in den Schoß der Eltern, ob die nun wollen/können oder nicht. Allerdings wohnen diese 350 km vom neuen Job entfernt. Das würde dann ein langer Arbeitsweg. Vier Stunden für eine Strecke, dann acht Stunden Arbeit, dann vier Stunden. Sehr lustig. Dass das nicht gewollt sein kann ist klar.

Also versuchen wir aus einer Entfernung von 14.000 km eine Wohnung zu finden. Als wir nach Südafrika gekommen sind, hat sich die Wohnungssuche nicht als Problem herausgestellt. Wir haben verschiedenen Makler angeschrieben, alle haben uns innerhalb von zwei Tagen diverse Wohnungen gezeigt und in die, die uns am besten gefallen hat, sind wir drei Tage später eingezogen. Bezahlt wird hier dann auch nur der Makler, der einem letztlich die Wunschwohnung vermittelt hat. Nett, oder? Klar, wusste ich, dass es in Deutschland etwas anders ausschaut. Dennoch hab ich mich frohen Mutes auf immobilienscout umgeschaut und fleißig Traumwohnungen rausgesucht. Man kann ja nicht früh genug anfangen, wenn ein sofortiger Einzug eh nicht gewährleistet wird. Die ersten Emails an Vermieter werden gleich gar nicht beantwortet. Sie werden bestenfalls als Witz und schlimmstenfalls als Scam abgestempelt. Daher sind wir zu Telefonanrufen übergegangen. Wenn wir Glück haben wird uns unsere Situation abgenommen. Was noch lange nicht heißt, dass wir eine Chance auf eine Wohnung haben. Bisher haben wir eher aus der Brust kommende Lacher geerntet. Selbst wenn alle benötigten Unterlagen gescannt und geschickt werden, so funktioniert es halt nicht. Ohne Besichtigungstermin geht nichts. Für einen solchen steige ich jetzt aber nicht in den Flieger. Also abwarten? Wie gesagt, nun versuchen wir Jobinterview mit Wohnungssuche zu verbinden. Ich hielt das jedenfalls für eine zwar stressige, aber dennoch gute Idee. Denkste Puppe. „Wenn sie einen Besichtigungstermin wollen, müssen sie schnell sein. Am besten noch am Tag nachdem die Anzeige für die Wohnung geschaltet wurde.“ Ugh. Ich seh uns schon in den ersten drei Monaten in einem ollen Hotelzimmer sitzen. Was noch in anderer Hinsicht spannend wäre. Da ich meinen Job erst zwei Wochen nach unserer Ankunft antreten werde, muss ich mich in den ersten beiden Wochen arbeitslos melden, um irgendwie versichert zu sein. Um mich beim Arbeitsamt melden zu können, muss ich einen Wohnsitz in der Stadt haben. Und das alles am ersten Tag meiner Ankunft. Ich freue mich jetzt schon auf die Diskussionen beim Einwohnermeldeamt und beim Arbeitsamt…Aber damit sind wir auch schon beim dritten Problem, dass sich derzeit stellt.

Stein 3- der Umzug an sich. Nach Südafrika auszuwandern war einfach. Drei Koffer im Gepäck und ein Paket auf dem Weg. Damit war alles geklärt. In der Zwischenzeit hat einiges den Geist aufgegeben oder wurde verschenkt, aber es ist natürlich auch neuer Kram hinzugekommen, den man aus Sentimentalität gerne mit nach Deutschland nehmen würde. Ein oder zwei Pakete werden unvermeidlich sein. Das Paket nach Südafrika hatte Pi mal Daumen 130 € gekostet und war damit noch verschmerzbar, gemessen an seinem prallen Gewicht von 30 Kilogramm. Mit etwa demselben Preis hatte ich auch für die Rückreise gerechnet. Recht naiv. Daher ein kleiner Auszug aus meinem Besuch bei der vertrauten DHL gestern.

Die DHL sitzt am anderen Ende der Stadt in einem winzig kleinen Gewerbegebiet und es gibt eine einzige Angestellte, die sich mit dem Versand von Einschreiben, Päckchen und Paketen in die Welt beschäftigt. Dementsprechend lang wartet man. Wenn wie gestern nur eine Person vor einem steht, kann man schon tief durchatmen. Das heißt man muss im Höchstfall so fünfzehn, zwanzig Minuten warten. Selbst wenn man nur eine Auskunft möchte, denn die Preislisten sind nirgends im Internet zu finden. Ich verbringe die Wartezeit damit, mir die Unternehmensgeschichte von DHL durchzulesen und bin ganz optimistisch. Mensch, die liefern ja echt überall hin. Die müssen wissen, was sie tun. Also trage ich meine Frage vor: ein Paket, dreißig Kilo, nach Deutschland. Die Dame wird etwas unruhig. Mit solchen Anfragen wird sie nicht häufig belegt. Sie kramt Listen aus dem Schrank und blättert wild darin herum. Dann kommt ein Taschenrechner ins Spiel (was noch gar nichts heißt- ich hab hier schon Leute 4+7 in den Taschenrechner eingeben sehen) und es wird weiter wild vor uns zurückgeblättert. Der Taschenrechner läuft heißt. Und dann kommt eine Antwort: „Ich kann das jetzt nicht auf den Rand genau sagen, nur einen Richtwert, der aber wahrscheinlich noch höher wird, wenn wir de Maße des Pakets kennen.“ Okay, raus damit. „Das wären dann 12 000 Rand.“ Es wird still im Raum, denn ich rechne mal eben in Euro um. Moment, kann das sein. 750 Euro? Für ein Paket? Ich frage noch einmal nach. Ja, sagt sie. International ist halt teuer. Für mich bleibt die Zeit kurz stehen. Denn ich bin in meinem Kopf und überlege mir, was ich mit dem Geld machen könnte. Ich könnte damit beispielsweise ein Flugticket nach Deutschland und zurückkaufen und mein Paket quasi begleiten, um sicher zustellen, dass es schnell und unversehrt in Deutschland ankommt. Dabei hätte ich am Ende sogar noch Geld über. Oder ich könnte meine ganzen Klamotten einfach verschenken und das Geld nehmen, um mich in Deutschland neu einzudecken. Sind ja eh fast nur Sommerklamotten, die ich hier habe. Wie oft werde ich die in Deutschland schon brauchen? Beim Gedanken daran, dass ich ursprünglich mit zwei Paketen gerechnet habe, wird mir anders und ich fange gedanklich an auszusortieren: Bücher, Geschirr, Souvenirs. An der Stelle muss ich sagen, dass die Pakete vom Arbeitgeber meines Mannes bezahlt würden. Bis zu hundert Kilo pro Person. Das wären dann 4.500,00 €. Für ein paar Pakete voller abgetragener Kleidung, Sentimentalitäten und Souvenirs. Das muss doch ein Witz sein. Da wäre der Welt doch mehr geholfen, wenn ich den Kram hier spende und ich die Hälfte, ach was sag ich, ein Viertel des Geldes nehme, um mir die drei Hosen und vier Pullover neu zu kaufen. Aber das geht natürlich aus Abrechnungsgründen nicht. „Wollen Sie das Paket jetzt versenden?“ weckt mich die Dame hinter dem Tresen auf. Nein, danke.

Wie man sieht: Die Vorbereitungen laufen. Schlecht.

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3 thoughts on “3 Monate, die noch bleiben

  1. Ach. Du. Scheiße.
    Meine Hoffnung ist, daß sie so gut den Taschenrechner bedienen kann wie die ältere Dame im Wollgeschäft… aber es bringt letztlich nix, wenn sie die einzige ist, die die Pakete entgegennimmt. Da ist ja Übergewicht beim Fliegen noch günstiger, unfaßbar!

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  2. Dear Franzi,

    You must leave now, take what you need, you think will last
    But whatever you wish to keep, you better grab it fast
    Yonder stands your orphan with his gun
    Crying like a fire in the sun
    Look out the saints are comin’ through
    And it’s all over now, baby blue

    […] Leave your stepping stones behind, something calls for you
    Forget the dead you’ve left, they will not follow you
    The vagabond who’s rapping at your door
    Is standing in the clothes that you once wore
    Strike another match, go start anew
    And it’s all over now, baby blue

    Sincerly yours Bob Dylan

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  3. Haltet den Rand !!
    Ein Paket ab 20 bis 31,5 kg kostet von D nach SA tatsächlich 600 € – als Express-Versand!
    Normal – also als Paket mit Schwimmflügeln – nur 125,99 €, also noch nicht einmal 126 €.
    Da hat die gute Frau wohl was verwechselt.

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