Out-takes

  1. Ist das nicht ein unglaublicher Name? Beauty? Das kann einem doch fast nur hier passieren, dass man mit solch einem Namen beglückt wird. Wobei die Namensgebung hier anders ist. Über so etwas wie Namensbücher macht sich her kaum wer Gedanken. Warum auch? Soweit mir berichtet wurde, ist man hier pragmatischer und gibt den Namen eher so, wie das Kind kommt. Regnet es am Tag der Geburt, kann es sein, dass man Regen genannt wird. Ist man kein Wunschkind, kann durchaus der Name “Unfall” in Betracht kommen oder auch “Das-Kind-das-nicht-gewollt-war”. Wunschkinder hingegen bekommen so schöne Namen wie Beauty, Lucky oder Happy. Ein anderer Unterschied ist, dass hier viele Menschen zwei Namen haben. Ja klar, das ist in Deutschland auch oft der Fall, wenn man noch den Namen der Oma oder des Onkels als Zweitnamen bekommt. Hier kommt man aber nicht mit zwei Namen zur Welt. Als Kleinkind haben viele nur einen Namen – ihren Xhosa-Namen. Meiner Meinung nach klingen die oft sehr schön (zB Nontando). Dennoch bekommen alle Kinder mit Schuleintritt einen zweiten, englischen Namen, damit auch nicht Xhoso-sprechende Lehrer die Schüler ansprechen können.
  2. Eine beliebte Sache: mit dem Auto an den Strand fahren und dann im Wagen sitzen bleiben und auf das Meer schauen. Meist ist der Wagen dabei voll mit Knabbereien und Softdrinks, sodass es die Insassen oft stundenlang darin aushalten können. Für mich ist das eigenartig, denn ich bin meist schon auf dem Parkplatz abgeschnallt, da ich es kaum erwarten kann, meine Füße in den Sand zu stecken, Muscheln zu sammeln und Salzwasserluft einzuatmen. Etwas, dass hier eigenartig zu sein scheint. Jedenfalls entnehme ich dass den Blicken, die ich mit den Wageninsassen austausche, wenn ich nach Stunden zurück auf den Parkplatz komme und sie immer noch in ihrem Auto sitzen.
  3. Ich glaube einer der größten Unterschiede zu Europa ist, dass die meisten Städte hier kein wirkliches Innenstadtleben haben. Während unserer Urlaube in Europa war die Innenstadt meistens der erste Anlaufpunkt, wenn man im Urlaubsort angekommen ist – dort sind die Attraktiviäten, die Restaurants, die Postartenstände. Hier sind Innenstädte oft No-Go-Areas: Verdreckte Straßenecken mit einer hohen Kriminalitätsrate (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wer also etwas braucht, fährt in einer der unzähligen riesigen Malls, die in allen Stadtvierteln aus dem Boden gestampft wurden. In denen findet man eigentlich fast alles (nun ja- außer geräuchertem Tofu, Kohlrabi oder Sony-Produkten). Das gilt allerdings nur für größere Städte – in kleineren kann der Möbelverkauf auch mal so aussehen.
  4. Meine ersten Nähversuche haben mich in verschiedene Stoffläden gelockt und bei diesem hier musste ich kurz innehalten. ANC-Stoff- also Stoff der führenden Partei im Lande. Das ist für mich etwas merkwürdig, würde ich mir in Deutschland auch kein Kleid aus einem CDU-Stoff nähen. Nicht mal Socken kämen da für mich in Betracht. Ich weiß nicht, inwiefern das hier anders ist. Der ANC hat die Apartheid beendet und ist daher für viele noch immer die glorreichste Partei im Lande (auch wenn die Kritik immer lauter wird). Nicht selten sieht man daher auch Leute im ANC-Shirt durch die Straßen laufen. Aber auch da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich die Parteiangehörigkeit ist, die die Menschen dazu veranlasst, oder einfach nur die Tatsache, dass der ANC zu Wahlzeiten die T-Shirts in Massen in den Townships verschenkt.
  5. Noch immer habe ich bei jedem Strandspaziergang ein bis drei Tüten dabei, damit ich den herumliegenden Plastikmüll einsammeln kann. Insbesondere Angelleinen häufen sich am Strand, die zu Todesfallen für Pinguine, Tölpel und Kormorane aber auch größere Tiere wie Delfine oder Haie werden. Vor ein paar Wochen hat sich beim Schwimmen nur ein paar Meter von mir entfernt ein Kormoran auf die Suche nach Fischen gemacht. Keine zwei Minuten später ist er nicht mehr gut gelaunt durch die Wellen getaucht, sondern hat panisch mit den Flügeln geschlagen und ist nicht mehr von der Stelle gekommen. Sein Fuß hatte sich in einer Angelleine verhakt und je mehr er versucht hat sich zu befreien, desto schlimmer hat er sich eingeschnürt. Natürlich hat es ihn auch nicht beruhigt, als ich auf ihn zu gekommen bin. Mit etwas Mühe und Geduld konnte ich ihn aber aus der Leine befreien, die bald 100 Meter lang war. Daher kann ich keine Angelleine am Strand liegen lassen. Aber auch aller anderer Meeresmüll sammelt sich am Strand. Bei dieser Masse an Reifen aber hat es mir ein bisschen die Sprache verschlagen. In meine Tüten haben die nicht gepasst. Die werden wohl noch hier liegen bleiben, bis die nächste Sturmflut sie wieder mit aufs Meer reißt.
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