An evening in Wilderness

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Things to do in Port Elizabeth No. 27: Birding

feet with birds

(english version below)

102 verschiedene Vogelarten habe ich in den letzten sechs Monaten identifizieren können. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal über die Kenntnis von Meisen und Amseln hinauskomme. Schon immer habe ich zwar gerne Vögel fotografiert, allein weil ich es für eine besondere Herausforderung halte, eine gute Aufnahme dieser eher scheuen Tiere zu bekommen. Wenn es dann darum ging zu erklären, was ich da eingefangen hatte, sah ich meist alt aus. “Öhm, nun ja, es ist halt ein sehr schöner Vogel” war meine gängige Erläuterung. Ich muss zugeben, das hat mich gegrämt, aber ich habe nie wirklich die Lust gehabt, mich mehr mit Ornithologie zu beschäftigen. Warum auch? Es gibt doch eh kaum was außer Spatzen und Tauben in Deutschland. Dachte ich. Auch in Südafrika hatte ich zunächst nur ein paar zusätzliche Arten gesehen: ein paar Ibisse und Nektarvögel. Erst ein verregneter Tag auf einem Campingplatz in den Drakensbergen hat dies geändert. Die Regenwolken waren so dicht, dass die Sicht auf drei Meter beschränkt war und der Campingplatz recht schnell unter Wasser stand. Der geplante Wandertag wurde gestrichen und wir haben den Tag mit warmen Tee in unserem Camper verbracht. Unsere Nachbarn hatten Mitleid mit uns, als der zweite Tag genauso startete, und luden uns in ihr überdachtes Zelt ein. Am Eingang lag eine Banane im Baum, an dem sich zwanzig Cape-Whiteeyes dankbar zugange machten. Schnell stellte sich daher heraus, dass diese zwei herzlichen Menschen zwei begeisterte Vogelbeobachter waren und die nächsten vier Stunden drehten sich rund um Vogelarten, Vogelbücher und Vogelbeobachtungsorte. Ich war angesteckt und ein paar Tage später stolze Besitzerin meines ersten Vogelbeobachtungsbuches, dass ich nun ständig mit mir herumschleppe. Wenn man genauer hinschaut, ist es erstaunlich, wie viele verschiedene Vogelarten man finden kann. Ich bin zwar stolz auf meine 102 gesichteten Arten, damit aber noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. Manche Tiere unterscheiden sich nur durch die Farbe des Ringes um ihre Augen, oder die Farbe der Schnabelspitze oder die Farbe der Krallen. Ich finde das alles faszinierend und kann unterwegs kaum aufhören, durch das Fernglas zu schauen. Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Gefühl für gute Beobachtungsorte bekommen und kann die ein oder andere Art sogar an ihrem Gesang identifizieren, wie zum Beispiel den Graufischer oder den Knysna Turaco, sodass ich es recht schnell sagen kann, wenn sie in der Nähe sind. Andere Exemplare bedürfen viel Geduld. Auf das letzte Bild zum Beispiel habe ich fast ein halbes Jahr gewartet. Der half-collared Kingfisher gehört zu den bedrohten Arten im Land. Allein als ich diesen blauen Pfeil einmal über einen See hab huschen sehen können, war meine Begeisterung schon groß. Als ich dann noch seine liebste Jagdstelle gefunden habe, ging einige Zeit ins Land die ich dort mit warten und stricken verbracht habe. Mehrfach war er zwar da, aber entweder das Licht war nicht gut, oder die Kamera nicht schnell genug zur Hand oder er aber einfach nicht wirklich von meiner Anwesenheit begeistert. Letzte Woche hatte ich dann endlich Glück und alles hat gepasst!

Over the last six month I was able to identify 102 different bird species. Who would have thought that one day I will recognize more than tits and blackbirds. Not me. Sure, I always loved to take pictures of birds. To me, it was a special challenge to get a really good photo of those shy animals. When people asked me what bird my pictures show I had to stumble. “Well, it is a very beautiful bird, isn’t it?” I have to admit that bothered me. But not enough to actual do something about it and learn a little bit about ornithology. Why should I? For quite a while, I thought that we don’t have spectacular birds in Germany – only some sparrows and pigeons. Even here in South Africa I could only see a few more species in the beginning: some ibises and sunbirds. One very rainy day at a camp site in the Drakensberg mountains changed that. The heavy and deep hanging clouds made it impossible for us to go for our planned hiking tour. We could only see the next three meters in front of us. So we decided to stay at our camper and have some hot tea. When the following day started exactly the same our neighbours asked us if we want to join them for a tea under their roof in front of their camper so that we weren’t trapped in ours for another day. At their entrance there was a tree with a banana, left there by the owners. About twenty cape-whiteyes indulged themselves with the fruit. It became clear that the two campers were birders and the next four hours were filled with topics like bird species, bird books and birding places. I was hooked. A few days later my husband gave me my first birding book which I have with me all the time since then. It is astonishing how many different species there are. Sure, I am proud of the 102 I saw so far but I haven’t seen all – not even close. Some differ only in the colour of the ring around their eyes, or the colour of the beak’s tip, or the tip of their feet. For me this is very interesting and I can’t stop looking through our binoculars when we are away. In the meantime I got a good feeling of good birding places and I am even able to recognize some birds by their calling, like the pied kingfisher or the Knysna turaco. While I can hear when they are around it takes a lot of patience to find others. The last picture for example was a challenge. It took me nearly half a year to take this picture of the nearly threatened half-collard kingfisher. Just to see this so unbelievable blue bird flying over a lake got me very excited. When I then found its favourite fishing place I spent quite some time there waiting and knitting. Taking a good picture was not possible on every of its visits – either the light was bad, I was to slow with my camera, or it just didn’t like my presence. Last week, I was finally lucky and everything turned put like I wanted it to.

Out-takes

  1. Ist das nicht ein unglaublicher Name? Beauty? Das kann einem doch fast nur hier passieren, dass man mit solch einem Namen beglückt wird. Wobei die Namensgebung hier anders ist. Über so etwas wie Namensbücher macht sich her kaum wer Gedanken. Warum auch? Soweit mir berichtet wurde, ist man hier pragmatischer und gibt den Namen eher so, wie das Kind kommt. Regnet es am Tag der Geburt, kann es sein, dass man Regen genannt wird. Ist man kein Wunschkind, kann durchaus der Name “Unfall” in Betracht kommen oder auch “Das-Kind-das-nicht-gewollt-war”. Wunschkinder hingegen bekommen so schöne Namen wie Beauty, Lucky oder Happy. Ein anderer Unterschied ist, dass hier viele Menschen zwei Namen haben. Ja klar, das ist in Deutschland auch oft der Fall, wenn man noch den Namen der Oma oder des Onkels als Zweitnamen bekommt. Hier kommt man aber nicht mit zwei Namen zur Welt. Als Kleinkind haben viele nur einen Namen – ihren Xhosa-Namen. Meiner Meinung nach klingen die oft sehr schön (zB Nontando). Dennoch bekommen alle Kinder mit Schuleintritt einen zweiten, englischen Namen, damit auch nicht Xhoso-sprechende Lehrer die Schüler ansprechen können.
  2. Eine beliebte Sache: mit dem Auto an den Strand fahren und dann im Wagen sitzen bleiben und auf das Meer schauen. Meist ist der Wagen dabei voll mit Knabbereien und Softdrinks, sodass es die Insassen oft stundenlang darin aushalten können. Für mich ist das eigenartig, denn ich bin meist schon auf dem Parkplatz abgeschnallt, da ich es kaum erwarten kann, meine Füße in den Sand zu stecken, Muscheln zu sammeln und Salzwasserluft einzuatmen. Etwas, dass hier eigenartig zu sein scheint. Jedenfalls entnehme ich dass den Blicken, die ich mit den Wageninsassen austausche, wenn ich nach Stunden zurück auf den Parkplatz komme und sie immer noch in ihrem Auto sitzen.
  3. Ich glaube einer der größten Unterschiede zu Europa ist, dass die meisten Städte hier kein wirkliches Innenstadtleben haben. Während unserer Urlaube in Europa war die Innenstadt meistens der erste Anlaufpunkt, wenn man im Urlaubsort angekommen ist – dort sind die Attraktiviäten, die Restaurants, die Postartenstände. Hier sind Innenstädte oft No-Go-Areas: Verdreckte Straßenecken mit einer hohen Kriminalitätsrate (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wer also etwas braucht, fährt in einer der unzähligen riesigen Malls, die in allen Stadtvierteln aus dem Boden gestampft wurden. In denen findet man eigentlich fast alles (nun ja- außer geräuchertem Tofu, Kohlrabi oder Sony-Produkten). Das gilt allerdings nur für größere Städte – in kleineren kann der Möbelverkauf auch mal so aussehen.
  4. Meine ersten Nähversuche haben mich in verschiedene Stoffläden gelockt und bei diesem hier musste ich kurz innehalten. ANC-Stoff- also Stoff der führenden Partei im Lande. Das ist für mich etwas merkwürdig, würde ich mir in Deutschland auch kein Kleid aus einem CDU-Stoff nähen. Nicht mal Socken kämen da für mich in Betracht. Ich weiß nicht, inwiefern das hier anders ist. Der ANC hat die Apartheid beendet und ist daher für viele noch immer die glorreichste Partei im Lande (auch wenn die Kritik immer lauter wird). Nicht selten sieht man daher auch Leute im ANC-Shirt durch die Straßen laufen. Aber auch da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich die Parteiangehörigkeit ist, die die Menschen dazu veranlasst, oder einfach nur die Tatsache, dass der ANC zu Wahlzeiten die T-Shirts in Massen in den Townships verschenkt.
  5. Noch immer habe ich bei jedem Strandspaziergang ein bis drei Tüten dabei, damit ich den herumliegenden Plastikmüll einsammeln kann. Insbesondere Angelleinen häufen sich am Strand, die zu Todesfallen für Pinguine, Tölpel und Kormorane aber auch größere Tiere wie Delfine oder Haie werden. Vor ein paar Wochen hat sich beim Schwimmen nur ein paar Meter von mir entfernt ein Kormoran auf die Suche nach Fischen gemacht. Keine zwei Minuten später ist er nicht mehr gut gelaunt durch die Wellen getaucht, sondern hat panisch mit den Flügeln geschlagen und ist nicht mehr von der Stelle gekommen. Sein Fuß hatte sich in einer Angelleine verhakt und je mehr er versucht hat sich zu befreien, desto schlimmer hat er sich eingeschnürt. Natürlich hat es ihn auch nicht beruhigt, als ich auf ihn zu gekommen bin. Mit etwas Mühe und Geduld konnte ich ihn aber aus der Leine befreien, die bald 100 Meter lang war. Daher kann ich keine Angelleine am Strand liegen lassen. Aber auch aller anderer Meeresmüll sammelt sich am Strand. Bei dieser Masse an Reifen aber hat es mir ein bisschen die Sprache verschlagen. In meine Tüten haben die nicht gepasst. Die werden wohl noch hier liegen bleiben, bis die nächste Sturmflut sie wieder mit aufs Meer reißt.