Out-takes

Lustiges, Nerviges, Schreckliches und Schräges aus der Alltagskiste:

  1. Als bei unseren Nachbarn das Dach gemacht wurde ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Steht er da auf dem Dach, in einer Hand den Farbeimer, in der anderen den Malerpinsel und um den Bauch ein schnödes fingerdickes Seil das vorne mit einem Knoten zusammen gebunden war. Zwei Meter vor ihm geht es mehrere Meter in die Tiefe und einem harten Betonboden entgegen. Die Sicherheitsvorkehrungen für Arbeiter sind mitunter wirklich schrecklich. Insbesondere bei den Bauarbeitern auf der Autobahn kann man es regelmäßig beobachten. Vor jeder Baustelle wird hier jemand hingestellt, der mit einer Fahne winken muss um auf die Baustelle hinzuweisen (ein Warnschilds würde es zwar auch tun, aber so haben wenigstens ein paar Personen mehr einen Job). Das einzige was sie davor schützen soll, von einem der vorbeirasenden Autos angefahren zu werden, ist eine gelbe Warnweste. Ich stell mir das nicht sonderlich reizend vor: den ganzen Tag an der Straßenseite stehen, nicht mal von einer Leitplanke geschützt. Noch dazu hab ich nie so etwas wie Unterstände (es regnet ja auch mal, zumindest aber als Schutz vor der prallen Sonne wäre es doch nett) oder Toilettenhäuschen gesehen.
  2. Eines DER Getränke hier ist Ginger Beer. Ich liebe Ginger Ale, also dachte ich es sei eine gute Idee ein paar Flaschen davon in den Einkaufswagen zu legen. Was den Zuckergehalt angeht, kann es prima mit Coke mithalten, weswegen ich mich für die zuckerfreie Variante entschieden habe. Der erste Schluck hat mir die Zehnägel aufgerollt. Es schmeckt als würde man in eine Ingwerwurzel beißen und zeitgleich zehn Würfelzucker im Mund haben. Es fühlt sich an, als würden  die Zähne sofort anfangen sich aufzulösen. Den Fehler mache ich nicht noch einmal.
  3. In den letzten Wochen hat die Müllabfuhr gestreikt, was ich nur am Rande mitbekommen habe, da wir in unserem Komplex eine Art Müllsammlungsraum haben, sodass ich nicht über Wochen auf meinen gefüllten Müllsäcken sitzen geblieben bin. Der Streik hat hier ein paar Wochen gedauert. Allerdings gibt es immer noch Ecken, in denen es sowas wie eine Müllabfuhr gar nicht erst gibt. In diesen schaut es aus, als hätten ein paar Hunde in der Nacht mächtig ihren Spaß gehabt. Wenn man durch die Ecken fährt zweifelt man aber daran, dass es so viele Hunde gibt. Es ist unfassbar, in welchem Dreck noch so viele Menschen leben müssen und auch immer wieder unvorstellbar, dass einfach nichts dagegen gemacht wird.
  4. Die Post war schon immer einer meiner besonderen Freunde. Aber während es in Deutschland Kleinigkeiten waren, die einen, wenn man ehrlich war eigentlich nur genervt haben, ist auf die Post hier schlichtweg kein Verlass. Wenn man Glück hat, dauert es eine Woche, wenn man weniger Glück hat vier Monate und wenn man Pech hat, kommt es nie an. Daher wird hier so viel wie möglich über private Kurierdienste verschickt, sodass es immerhin eine Lösung gibt, auch wenn die kleine Löcher in die Hosentaschen frisst. Was aber, wenn ich Sachen aus dem Ausland bestelle? Mein Laptop ist kaputt gewesen und ich brauchte ein Ersatzteil. Einen Shop zu finden, der dieses noch hat und auch nach Südafrika verschickt war noch das geringste Problem. Nach dem Erreichen des Pakets in Südafrika, nicht bei mir aber in Südafrika, erhalte ich eine Mail von der Post, dass nicht an mich geliefert wird, wenn ich nicht eine südafrikanische Identitätsnummer habe. Habe ich natürlich nicht, da ich hier nicht geboren bin. Passnummer oder Bestätigung der Dienststelle haben nichts genutzt. Hat die Post nicht interessiert. Keine ID, kein Paket. Was nun? Das Einzige, was übrig blieb, war einen bekannten Südafrikaner zu fragen, ob er mir seine ID leiht. Ich fand das sehr unverschämt und hab mich wirklich ein bisschen geschämt. Ich hätte vollstes Verständnis gehabt, wenn er mit einem „Ihr spinnt ja wohl!“ reagiert hätte. Stattdessen meinte er, es sei ok, solang ich keine Waffen oder Drogen damit kaufe. (Danke nochmals dafür – ich wüsste nicht, wie ich es sonst hätte verhindern können, das mein Ersatzteil geradewegs zurück nach China geht.)
  5. Es gibt hunderte lustige Schilder hier. Das ist momentan mein Liebstes. 🙂
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