IRON MAN

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Es ist 7:30 und mein Wecker klingelt. Es ist Sonntag. Es ist der 10. April. Der Tag des Ironmans in Port Elizabeth. Ein Großereignis, auf das sich die Stadt seit einer Woche vorbereitet hat. An den Straßen hängen Plakate und Flaggen, in den Supermärkten werden die Regale mit isotonischen Getränken aufgestockt. Die Hotels sind ausgebucht und man kann plötzlich mehr Rennräder auf den Straßen sehen als Autos. Die Stimmen sind zweigeteilt: entweder man „tut sich das nicht an“ oder man packt schon mal Zelt und Grill, um sich einen gemütlichen Tag am Straßenrand zu machen. Ich muss gestehen, dass ich neugierig bin. Nicht so neugierig, dass ich um sechs aufstehe, um den Startschuss anzusehen. Nein, während ich noch mein Nutellafrühstück auf dem Balkon habe, sehe ich schon die ersten Radfahrer, an unserem Balkon vorbeisausen. Die haben also schon 3,8 km schwimmen hinter sich, während ich es gerade mal aus dem Bett und zu meinem ersten Kaffee geschafft habe. Aber ich bin doch so neugierig, dass ich mich aus den Balkonsesseln hebe, als die ersten Radfahrer ihre 180-km-Radtour hinter sich gebracht haben und sich auf den Weg machen auch noch 42 km zu laufen. Ich habe mich die ganze Woche gefragt, wer so etwas macht und wovor die alle davon laufen. Ich glaube nicht, dass das Ganze gesund ist. Weder körperlich noch psychisch. Es sind 1860 Teilnehmer. 1860 Menschen, die es schaffen, sich auf dieses Event vorzubereiten, monatelang jeden Tag zu trainieren und ihrer Familien beiseitezustellen. 1860 Menschen, die das Geld haben nicht nur hierher zu fliegen, sondern sich auch eine superteure Ausrüstung anzulegen. Es sind Millionen Euro, die an dem Tag an Rädern auf der Straße sind. Und in der gleichen Zeit fällt auch auf, dass 90 Prozent der Teilnehmer eher eine helle Hautfarbe habe, sodass der ganze Spaß wohl eher eine Veranstaltung für die gelangweilte weiße Oberschicht ist.

So hatte ich eine ganze Weile kein Mitleid für die Teilnehmenden. Auch nicht, als ich an der Strecke lang gelaufen bin und der Grillgeruch in meine Nase gestiegen ist, der für die Teilnehmer sehr gemein gewesen sein muss. Selber Schuld, wer legt sich so eine Qual auch auf. Aber mit steigenden Mittagstemperaturen und abnehmendem Wind (sehr untypisch für diese Stadt) regt sich in mir doch so etwas wie Mitgefühl. Für den Holländer, der sich als Erster an den Marathon machte und dann letztlich nicht mal unter den ersten Zwanzig ins Ziel rannte, da er kollabierte. Für die Radfahrer, die nach 180 km Rad fahren, nicht weiter machen dürfen, da sie die Zwischenzeit nicht geschafft haben und daher heulend am Rand zusammensacken. Für die Radfahrer, die uns in ihrem unterzuckerten Zustand ihre Räder zum Kauf anbieten, da sie „sick of it“ sind. Für Läufer, die sich kurz vor Mitternacht noch ins Ziel schleppen, um sich ihren „You are an Iron Man“- Ruf noch abzuholen. Rufe des Moderatoren, die mir noch im Ohr klingen, als ich schon wieder in den Federn bin, während andere nach 17 Stunden Sport das Ziel erreichen.

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