Home sweet home

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(english version below)

Die ersten Wochen in der neuen Heimat liegen bereits hinter uns. Unglaublich, wie die Zeit rennt. Dennoch haben wir das Unfassbare geschafft: wir sitzen bereits in unserer Wohnung! Kaum waren wir in Port Elizabeth angekommen, hatten wir drei Maklertermine auf dem Plan. Innerhalb von drei Stunden haben wir acht verschiedene Wohnungen besichtigt die sich auf einer Skala von „im Leben nicht“ (düster, kalt, keine zu öffnenden Fenster und stinkend) bis hin zu „ja bitte, hier möchte ich bleiben“ befanden. Da wir anscheinend gerade kleine Glückskinder sind, lümmele ich nun in letzterer auf der Couch, habe einen frischen Kaffee in der Hand, blicke über meinen Balkon und freue mich des Lebens. Wir haben sie bekommen! Und das innerhalb einer Woche! Eigentlich alles ganz easy, denke ich im Nachhinein. Ich weiß aber auch, dass ich bereits im November in Deutschland unruhig vor mich hin plante, da noch nichts sicher war und ich große Angst hatte die erstbeste Wohnung nehmen zu müssen, egal ob sie düster und kalt ist und stinkt. Ich habe mich schon in einem B&B gesehen in dem ich zumindest solange bleibe, bis alles Geld ausgegeben ist, um dann in einer Kammer am Stadtrand zu leben, in die ich mich aus Angst, sie zu verlassen, einschließe und dort von meinem Monatsvorrat, ach was sage ich, Jahresvorrat an Bohnen lebe. Ein bisschen was davon hat sich bewahrheitet: Ich habe die erste Woche in einem B&B verbracht und ich lebe jetzt am Stadtrand. Aber am schönsten Stadtrand, nämlich dem der direkt ans Meer grenzt. So brauche ich zwei Minuten zum Strand, zwei Minuten zum Shoppingcenter um die Ecke und zwei Minuten zum Strandcafé, wobei ich letztes ja nun eigentlich gar nicht brauche. Zu verdanken habe ich das einer ziemlich fixen Maklerin, einer Eigentümerin die die nächsten zwei Jahre in ihrer schönen Heimat Österreich verbringen will und einem überschaubaren administrativen Aufwand, der letztlich allein aus der Zahlung von Miete und Kaution und der Unterzeichnung des Mietvertrages bestand. Allein letzteres hat etwas mehr Zeit beansprucht, da jede Seite des Vertrages unter Zeugen zu unterzeichnen ist (was auch ein großer Spaß bei der Eröffnung eines Bankkontos war). Aber was will ich meckern…

Im großen und ganzen ist wohnen hier wenig anders. Bei der Wohnungssuche gibt es den Unterschied, dass der Makler vom Vermieter gezahlt wird. Gut, das ist in Deutschland mittlerweile auch so, aber nichtsdestotrotz versorgt sich dort jeder Vermieter mit einem Makler. Hier hingegen werden alle beauftragt, die die Stadt zu bieten hat. Die Provision bekommt nur der, der die Wohnung an den Mann bringen kann. Eigentlich ganz nett für den Vermieter und für uns auch nicht wirklich nachteilig. Dachte ich. Aber natürlich zahlen wir das irgendwie. Zwar nicht über eine einmalige Provision. Hier bekommt der Makler einfach pro vermieteten Monat einen Abschlag von der Miete in Höhe von 10 Prozent. Damit noch netter für die Makler hier als in Deutschland. Daher reißen sich die Makler hier um einen Wohnungssuchenden, denen sie dann nicht nur eine Wohnung zeigen, sondern alles, was zum angegebenen Budget passt. So mussten wir bei einzelnen Besichtigungsterminen darauf hinweisen, dass wir die Wohnung schon gesehen haben und sie für uns nicht in Frage kommt. Dem folgten zwar kurze Diskussionen dahingehen, dass der Preis verhandelbar sei (aha, so läuft das also), aber auch der niedrigste Preis nützt bei einer Wohnung in einem 16-Geschosser mit dem Ostcharme der 70er Jahre nichts mehr.

Ein weiterer Unterschied sind die Nebenkosten. Wasser ist in der Miete enthalten und kann trotz enormen Wassermangel im Land verbraucht werden wie man lustig ist, ohne dass sich an den Mietkosten irgendetwas ändert. Es ist nicht zu verstehen, dass jeder der etwas auf sich hält einen Pool hat, während an den Straßen Plakate hängen auf denen darum gebeten wird beim Zähneputzen den Wasserhahn zu schließen oder einen Eimer in die Dusche zu stellen, um jeden der kostbaren Tropfen Wasser zu sparen. Natürlich stößt dies auf taube Ohren. Keiner investiert hier in Sparmaßnahmen, solange die Verschwendung folgenlos bleibt. Anders hingegen ist dies beim Strom, welcher extra gezahlt werden muss. Allerdings gibt es keinen monatlichen Abschlag und das üble Erwachen am Jahresende, sondern ein Prepaid-System. Neben meiner Eingangstür hängt ein weißer Plastikklotz von der Größe eines A4 Blattes, der mir jederzeit sagt, wie viele kWh ich noch übrig habe. Sollte es nicht mehr reichen um den Durchlauferhitzer für die Dusche anzuschmeißen, muss ich mich auf den Weg zur Tankstelle machen und dort Strom kaufen. Statt einer Tüte voller Blitze, Atompilze oder Kohlebrocken bekomme ich einen kleinen Zettel mit einer 12 stelligen Zahl, welche in den Plastikklotz eingeben muss. Anfangs fand ich es merkwürdig. Mittlerweile finde ich es großartig zu sehen, was den meisten Strom kostet (das Erwärmen des Wassers).

Der zwiespältigste Unterschied ist der, dass ich alle zwei Wochen eine Maid kommen lassen muss, die die Wohnung putzt. Diese Pflicht steht nicht nur in meinem, sondern in den meisten Mietverträgen dieses Stadtviertels, sei es nun eine Mietwohnung oder ein Haus. Ich war mir anfangs nicht sicher, was ich davon halten soll, dass jemand meine Krümel beiseite fegt, meine Fenster putzt und meine Dusche poliert. Natürlich habe ich mir auch schon anhören dürfen, dass ich jetzt eine dieser weißen Frauen bin, die sich alles hinterher tragen lässt, wo in gewisser Weise ja auch etwas dran ist. Damit ich den Eindruck etwas mildern kann, hatte ich beim ersten Besuch unserer Maid die Wäsche gewaschen und gebügelt, die Küche geputzt und alles in die Schränke geräumt, was auf Tischen und Stühlen nichts zu suchen hat. Meine Vorstellung war, dass sie die Fenster putzt und damit im Höchstfall eine Stunde beschäftigt ist. Da ich 155 Rand, also keine neun Euro, pro Besuch zahlen muss, hielt ich das für einen fairen Deal. Aber so lief es nicht. Sie blieb vier Stunden und egal was ich sagte, es wurde alles noch einmal blitzblank geputzt. Allein von der Wäsche konnte ich sie mit allem was ich an Überzeugungskraft aufzuweisen habe abhalten. Es ist eine Frage des Stolzes – sie möchte nichts geschenkt haben. Sie erzählt mir, dass sie arbeiten möchte, damit ihre Kinder zur Schule gehen können. Sie hat vier. Nach ihren Worten drei Richtige und eines aus einer Vergewaltigung. Das Erste. Deswegen bleibt auch kein Mann bei ihr. Es ist schwierig auf so etwas zu reagieren. Sie sagt, dass sie daher froh ist, ein paar Wochen für mich arbeiten zu dürfen. Als ich ihr erzähle, dass es zwei Jahre sind strahlt sie. Im Laufe des Tages sagt sie mir noch ungefähr zwanzig mal, wie froh sie ist, jetzt zwei Tage im Monat einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Denn sie reinigt zwar ein paar Wohnungen, aber es gibt nicht so etwas wie einen festen Arbeitsplatz. Vielmehr kann sie nur dann arbeiten, wenn sie angerufen wird und ihr gesagt wird, wo sie gebraucht wird. Es fehlt also an einem Einkommen, mit dem man den Monat planen kann. Ich fühle mich daher zwar immer noch unwohl, wenn jemand um mich meinen Dreck weg macht, aber ich habe auch das Gefühl das Richtige zu machen, wenn ich sie mit ihrem Lohn, Trinkgeld und der ein oder anderen Kleinigkeit für die Kinder nach Hause gehen lasse.

 

Home sweet home

The first weeks in our new home country are lying behind us. Unbelievable how time flies. And we did the inconceivable: we are sitting in our flat! We had hardly arrived in Port Elizabeth when we had three appointments with agents. Within three hours we visited eight different flats which could fill a scale from “no never” (dark, cold, no windows that can be opened) to “yes please, I want to live here”. Since we seem to be some lucky fellows I am now lounging on my couch, with a hot coffee in my hands, looking over my balcony and being happy with my life. We got the flat. Within a week! Actual really easy I am now thinking. But I know how uneasy I felt already in November back in Germany when I began making plans, without any clue. I was afraid I had to live in the very first flat offered to me, even if it is dark, cold and smelly. I have seen myself sitting in a B&B until there is nor more money left just to move in a cubby hole in the suburbs which I never leave because I would be afraid to. Instead I would stay and live from a stock of beans for months or even a year. Some things became true: I lived in a B&B for the first two weeks and I am now living in a suburban area. But on the most beautiful one – the one next to the sea. So it is two minutes to the beach, two minutes to the shopping center and two minutes to the beach cafes. Of course I won´t need anymore the latter. I owe this all to a very fast agent, a owner who is willing to live in her home country Austria and a manageable administration process, that in the end only consists of the rents payment and the signing of the contract. Just the latter took more time than expected since every page of a contract has to be signed and witnessed by a third party (what a fun at the bank opening an account). But who am I to whinge…

Generally speaking renting a place to stay is the same like in Germany. If you are looking for a flat there is one difference: the agents are paid by the owner. Yes it is the same now in Germany, but there every owner just authorizes one agent. Here the owners authorize every agent in the city but only the agent who was able to let the flat receives the fee. Actually nice for the owner and with no disadvantages for us. Or that´s what I thought. Of course we are paying the agents commission. But not once. The agents here get a monthly part: 10 per cent of the rent. So it´s even nicer for them here than in Germany. That´s the reason agents are treating you like a king if you are looking for a flat. They do not show you one but all flats they can offer and that are in your budget. On some appointments we had to tell the agents that we visited this particular flat half an hour ago with someone else and that we were not interested. The following discussions about the rent (oh that is how it works) didn´t lead to a contract – even the cheapest rent doesn’t help for a flat in the 16th floor and with the charm of the 70ties.

Another difference comes with the additional costs. Water is often included so that everybody can use as much as he or she wants without rising rents even so there is a water shortage. It is hard to understand that everybody who fancies himself important person owns a pool while there are posters in the streets pleading the people to close the tab during tooth brushing or to place a basket in the shower to save every valuable water drop. But this falls on deaf ears. Nobody invests in water saving measures as long as the waste will be without consequences. It is totally different with energy, which has to be paid extra. However it is not paid monthly so that there is also no bad awakening at the end of the year but a prepaid system instead. Next to my door there is a white plastic chunk in an A4 format which can always tell me how much kWh are left. In case it isn´t enough to start the geyser for the shower I have to go to the gas station to buy energy. Instead of a bag full of thunderstorms, mushroom clouds, and coal chunks I receive a small white slip of paper with a twelve-digits-number which I have to hack in my white plastic chunk. I found it strange at first. But now I think it is great to see what actions consume most energy (the heating of the water).

The most conflicting difference is that I have a maid which is cleaning my flat every two weeks. I am like most of the people in this area, bound by my contract do to so. At first I wasn´t sure what I should think about someone coming to me and sweeping away my crumbs, cleaning my windows, or polishing my shower. And of course there have been people telling me that I am now becoming one of these white housewives getting everything done by someone else. Which is in some kind true. To mild this impression I did my laundry, cleaned the kitchen and removed everything that doesn’t belong on the tables or the chairs before my maid came for the very first time. I thought that she could do the windows so that she has to work for an hour at the most. Since I have to pay her 155 Rand, no more than nine Euro, I thought that would be fair. But that wasn´t what happened. She stayed for four hours and cleaned everything once again no matter what I said. I could only convince her that I will do my laundry and the ironing myself. It is a matter of pride – she doesn´t want me to give her the money for nothing. She told me that she wants to work so that her children can go to school. She has four kids. In her own words three kids that are really her kids and one, the oldest one, she got after she was raped. That is why no man will stay with her for long. It is difficult for me to react appropriately after hearing such a story. So she tells me how happy she is to have work at least for a few weeks. As I told her that we are going to stay for two years she smiles. During the day she repeated a lot how happy she is to have a regularly work even it is only for two days a month. She also cleans other flats but there she only has to work when she is called and asked for her service. So she lacks a reliable monthly income she can plan with. Now I still don´t like the feeling when someone is cleaning around me, but I also have a good feeling giving her a salary, a tip and one or two things she could use for herself or her kids.

 

 

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3 thoughts on “Home sweet home

  1. Ich sehe mich schon zwei Wochen lang mit einer Tasse Kaffee auf diesem Sitz-Liege-Ding (wie heißt das richtig?!?!) fletzen. Ihr müsst mich nur gelegentlich wenden… 😉

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