Bessere Tage

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(english version below)

Um am Wochenende aus der Stadt zu kommen müssen wir uns vorerst noch einen Mietwagen holen, denn leider darf der Dienstwagen für private Zwecke nicht genutzt werden. Da es am hiesigen internationalen Flughafen mehr Mietwagen als Flugzeuge gibt, machen wir uns Freitag Abend mit dem Taxi zum Flughafen. Aus Sicherheitsgründen wurde uns ein Taxiunternehmen (Blunden) besonders ans Herz gelegt, aber da dieses auch das teuerste vor Ort ist und die derzeit größte von Taxifahrern ausgehende Gefahr (gezieltes chauffieren von Touristen zu Banken, an denen die Geldautomaten nicht funktionieren, sodass „Mitarbeiter“ der Bank Ihnen das Geld abheben erleichtern…) gedämmt ist, entscheiden wir uns für ein anderes Unternehmen, dessen Wagen zwar schon bessere Tage gesehen haben aber deren wichtigster Bestandteil, das Taxameter, noch funktioniert. Es zählt wie in Deutschland recht gut und recht schnell. Wir hingegen tuckern im Feierabendverkehr und durch Buschbrände dem Flughafen entgegen und sind am Ende ein kleines Vermögen los, mit dem man sich in Deutschland bei doppelt so hohen Benzinpreisen in einer S-Klasse durch die Stadt hätte fahren lassen können. Taxifahren ist hier also sehr teuer, wohingegen einem die Mietwagen fast hinterher geworfen werden. Laut unserer Vorabbestellung und Vorabzahlung per Kreditkarte bekommen wir einen Polo für 45 € das Wochenende bei unbeschränkter Kilometeranzahl (was nicht nur aufgrund der Distanzen hier empfehlenswert ist, sondern uns am folgenden Tag auch einiges an Zusatzkosten gespart hat, da wir uns trotz das es nur zwei Autobahnen gibt, total verfranzt haben). Ein Schnäppchen also. Mit dem Gedanken und der Vorfreude auf Muscheln sammeln am Lieblingsstrand betreten wir das Mietwagenbüro von Hertz. Und warten. Ein weiterer Kunde wird bereits bedient und wir werden von der im 1-Finger-System tippenden Dame darauf hingewiesen, dass der Computer heute langsam arbeitet. Es könne etwas dauern. Wir schauen uns die Wolken an, die immer dunkler und dunkler werden und auf Regen hoffen lassen. Bis wir dran sind, fallen dicke Tropfen auf die dampfenden Straßen. Da wir auf einen gewissen Aufwand vorbereitet sind, zücken wir gleich alle Fahrerlaubnisse, Personalausweise und Reisepässe die wir bieten können und warten bis alles gescannt, gedruckt, kopiert und ins heute sehr langsam arbeitende System eingetragen ist. Der Autoschlüssel liegt dann bereits zur Mitnahme bereit, als wir noch um unsere Kreditkarte gebeten werden. Was uns irritiert. Bezahlt ist ja schon. Die Rechnung haben wir sogar dabei. Das interessiert die Hertz-Dame leider wenig. Keine Karte die sie sich angucken kann, kein Auto. Aber kein Problem sagt sie, wenn wir ins unsere Unterkunft müssen um die Karte zu holen, könne sie uns helfen sagt sie und weist uns den Weg zum Taxistand. Keine andere Lösung? Keine andere Lösung!

Wir trotten durch den Regen zum Taxistand und finden unseren Taxifahrer, der verwundert die Augenbrauen hochzieht. „We forgot our Credit Card.“ Mehr braucht er nicht zu wissen um uns mitleidig anzuschauen, die Türen zu schließen und dann mit vollauf gedrehter Musikanlage zurück durch Buschbrände und langsam endenden Berufsverkehr zu unserem B&B zu fahren. Während mein Mann nicht nur seine Karte, sondern auch Geld für zwei zusätzliche Taxifahrten holt, versuche ich dem Taxifahrer zu erklären was los ist. „Oh I know these fucking days. That´s why I turned the music on so he can maybe calm down a little. Best is you buy a bottle of whine and forget about this shit.” Das wäre wohl wirklich eine gute Idee. Zumal ich ein schlechtes Gewissen habe. Eigentlich hätten wir zumindest mit dem Betriebsauto zum Flughafen fahren können. Das hätte aber gehiesen, dass ich mit einem Auto allein zurück fahren muss. Meine Fahrkünste haben sich im Linksverkehr aber bisher in Grenzen gehalten. Bereits beim Einsteigen greife ich ins Leere, wenn ich mich anschnallen will. Ich bin ständig im falschen Gang, da ich es gewöhnt bin den Schalthebel beim hoch schalten von mir weg zu drücken anstatt zu mir ran zu ziehen. Ich stottere also im Verkehr ziemlich rum. Noch dämlicher sieht es aus, wenn ich blinken will, weil ich dann stets mit wild wedelnden Scheibenwischern um die Kurve gurke. Wenn ich mir mich dann noch allein im Auto vorstelle, bekomme ich Bedenken, ob ich überhaupt ankommen würde oder schon vorher aus dem Verkehr gezogen würde. Also war ich es, die auf ein Taxi bestanden hatte. Weswegen ich jetzt rechne, wie viele Pancakes ich mir verkneifen muss, bis das Taxigeld wieder drin ist.

Kühles Schweigen charakterisiert unsere dritte Taxifahrt. Der Taxifahrer hat Erbarmen und schaltet den Taxameter aus und wünscht uns beim Aussteigen, dass wir uns nicht wieder sehen. Zumindest nicht heute. Wir hoffen das auch und legen der Hertz-Dame die Kreditkarte auf den Tresen. Sie gibt und den Rat, niemals unsere Kreditkarte daheim zu lassen: Das ist ein Tipp, den wir bisher nur anders herum gehört haben. Aber wir wollen uns jetzt nicht auf eine Diskussion mit der Hertz-Dame einlassen. Eigentlich wollen wir nur noch weg. Bevor das passieren kann, müssen wir allerdings das Ganze Verfahren noch einmal durchlaufen. Denn, herrje, der ausgerechnet heute langsam arbeitende PC hat sich leider nicht die Eingaben von vor 30 Minuten gemerkt. Mein Geduldsfaden ist langsam dünner als Zahnseide. Nah am reißen ist er, als wir die Kreditkarte nur unter der Bedingung zurückbekommen, dass wir sämtliche Steuern und Abgaben nochmal bezahlen, die wir laut unserer bereits beglichenen und ausgedruckten Rechnung aber bereits gezahlt haben. Kein Problem sagt die Hertz-Dame, sie könne uns helfen und reicht uns die E-Mail Adresse vom Hertz-Kundendienst. Und dies zusammen mit einem Schlüssel für ein Auto das erstens kein Polo ist, zweitens kein Fünftürer und drittens kein Wagen mit Gangschaltung. Da, sagt die Hertz-Dame könne sie uns leider nicht mehr helfen. Wenn wir kein Automatik fahren können sei dies unser Problem. Ein anderes Auto gibt sie uns nicht. Unter heftigsten Augenrollen und begleitet von einem Knall platzt der Geduldsfaden. Wir werden vor die Tür gesetzt. Verzweifelt und ohne weiteres Taxigeld setzen wir uns in einem Wagen, der uns Rätsel aufgibt. Weiter als bis zum Öffnen der Türen sind wir auch nach zehn Minuten nicht gekommen. Also versuchen wir es wie in der USA: wir suchen uns jemanden, der sich bereit erklärt uns auf dem Parkplatz Fahrstunden zu geben und der uns nach drei Runden um den Block in den Straßenverkehr entlässt. Und siehe da: es hat funktioniert. Nachdem man dem linken Fuß beigebracht hat, nichts zu tun, können wir endlich ins Wochenende fahren.

Ich möchte ja nun gern sagen, das wars. Aber nachdem wir nach der Wagenrückgabe im B&B gemerkt haben einen Führerschein im Wagen vergessen zu haben, hatten wir den ganzen Spaß nochmal. Aber wenigstens war’s diesmal seine Schuld

Better days

To get out of the city we still have to rent a car because we are not allowed to take the company car for private trips. Since there are more cars for rent than airplanes used at the international airport of Port Elizabeth, we went there by taxi last Friday. For safety reasons people told us to go only by one taxy company (Blunden). But since this is one of the most expensive and the biggest danger associated with taxi drivers (get driven to bank automats which are broken so that you would need assistance for your bank transfer from some of the “staff members”) is eliminated, we decided to go with a different taxi company. The cars of these company have seen better days, but the most important item, the taxameter, was intact. Like in Germany runs fast. We on the other hand chugged very slowly through the commuter traffic, through bushfires to finally achieve the airport. We paid a fortune you could use in Germany to let you drive through the city in a S-class even if the gas prices are much higher than here. So going by taxi isn´t cheap in Port Elizabeth. But renting a car is. We paid 45 Euros a weekend for a Polo with unlimited kilometres (what I would highly recommend – not only because of the distances here but also because it saved us a lot of money while we got totally lost in the traffic the next day). A total snip! With these thoughts in our mind and the anticipation of walking along our favourite beach we entered the rental office. And had to wait. There was another customer and the one-finger-system-using woman in charge told us that the computer is slow today. So it would unfortunately take longer. So we were watching the clouds getting darker and darker. Before it´s our turn, fat rain drops were falling on the steaming streets. Because we expected a lot of administration efforts, we pulled out all the driver licenses, identification cards, and passports we have and waited until everything is scanned, printed, copied and typed into the very slow working computer system. The keys were already waiting for us as the woman asked for our credit cards. We were confused because we had already paid. As proof, we even had the receipt with us. But she wasn´t interested in that. If there is no credit card there will be no car. But no problem she told us. She can help us, if we need to go back to our B&B to fetch the card. And then she showed us the way to the taxi rank. No other solution? No other solution!

We ambled through the rain to the taxi stand and found our taxi driver. He raised his eyebrows with surprise. „We forgot our credit card.“ He didn´t need to know more to look at us with pity, close the door and drive us back with a full turned on radio through bushfires and the slowly thinning out commuter traffic to our B&B. While my husband not only took his credit card but also money for the two additional taxi rides, I tried to explain what happened to the driver. „Oh, I know these fucking days. That´s why I turned the music on so he can maybe calm down a little. Best is you buy a bottle of whine and forget about this shit.” “That probably would be the best” I thought, because I was having a guilty conscience. Actually I felt like it is my fault. At least, we could had driven to the airport with the company car. But this would have meant for me to drive one car back. But my driving skills on the left lane haven´t been the best to be honest. I already have trouble finding the belt that I am always searching for on the wrong side. I shift to the wrong gear every time, because I´m used to pushing the gear lever away to upshift instead of pulling it towards me. So I´m totally obstructing traffic. It looks even more strange when I´m mistaking the turn signal with the windscreen wiper and turn around a corner with wild waggling windscreen wipers. If I imagine me alone in the car I doubt that I would reach my destination safely. So it was me who insisted on going by taxi. And that’s why I´m calculating now how many pancakes I mustn´t eat until the money for the taxi journey is counted up.

Our third taxi ride was characterized by a chilly silence. Our driver had mercy and didn´t put the taxameter on. As we left the car he wished us not to meet each other again. At least not at this evening. We were also hoping for the same when we presented our credit card to the women from the renting office. She was happy to give us the advice never to leave the apartment without the credit card. Absolut the opposite of what everybody was else telling us prior to that day. But we didn´t want to start a discussion. We only wanted to leave. But before this was going to happen we had to pass the whole procedure again. Because of the very slowly working computer which wasn’t able to remember the things she typed in half an hour ago. I started to get inpatient at this moment. It got worse when the women insists on us paying all the fees and taxes we already paid for once again. She again wasn’t interested in our receipt. Instead she gave us the email address of the Hertz customer service along with the key for a car that not only wasn´t a polo, but also didn’t have five doors and a stick shift either. She can´t help us with this, the women said. If we can´t drive an automatic cars that´s kind of our problem. There is no other car available, she explained to us. At this time we were at the end of our tether. We were shown the door. Desperate and without money left for a taxi we entered a car that was kind of a riddle to us. We couldn´t do more than open it. So we tried to learn driving a car like the people in the USA: we looked for a guy who was willing to show us how the automatic works and to drive a few rounds on the parking lot with us. After three rounds he considered us fit enough to enter road traffic. And it worked! After the left foot learned to do nothing, we were finally able to head towards weekend.

I would love to say: that´s it. But after we dropped up our car on Sunday and – already in the B&B – realized that one of our driver licenses was missing, we had the same fun the other way around. But at least this time it was HIS fault.

 

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3 thoughts on “Bessere Tage

    • Mh, na wir hatten uns auf den Weg zu einem Strand gemacht. Aber da “wir kein Navi brauchen” haben wir uns um 80 km gefahren. Als wir endlich angekommen sind hat es angefangen zu regnen. Also eigentlich waren wir drei einhalb Stunden unterwegs um einen mittelmäßigen Kaffee zu trinken. War toll. 😉

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