Glasperlen

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(english version below)

Die erste offizielle Aufgabe meine Mannes war es seinen Dienstwagen von Pretoria/Tswahne nach Port Elizabeth zu überführen. Eine Distanz von ungefähr 1.200 Kilometern. Was für eine großartige Gelegenheit etwas vom Land zu sehen. Dachte ich. Und umso schöner, dass wir die Strecke nicht an einem Tag zurück legen mussten, sondern einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Bloemfontein einlegen durften. Nicht gerade die glänzendste Perle, hieß es um uns herum, aber ein nettes Plätzchen für eine Nacht.

Wir starteten für hiesige Verhältnisse mit zehn Uhr sehr spät von Pretoria aus. So würden wir einen großen Teils des Pendelverkehrs umgehen. So zumindest unsere Hoffnung. Daher fanden wir es zunächst auch nicht sehr schlimm, dass unser Navi uns, einmal aus Pretoria raus, direkt ins Herz von Johannesburg leitete. Johannesburg habe ich bisher noch nie besucht, weswegen ich neugierig war wie die Stadt aussieht, vor der viele einerseits Angst haben, die andererseits aber auch als die Stadt beschrieben wird, in der das Nachtleben besonders spannend ist. Und was soll ich sagen: ich hatte viel Zeit mir die Stadt vom Auto aus anzuschauen. Denn einmal in die Stadt gerutscht, schon stand man in einem Stau, der erst hinter der Stadt wieder aufhörte. Die Straßen hatten mit einmal sieben Spuren, alle waren bis zum Rand belegt und wir selber hatten nicht ansatzweise eine Ahnung, ob wir uns nun auf der richtigen Spur befinden oder nicht. Wir taten das für uns Logischste: in der Mitte einreihen und nicht mehr von dieser bewegen, bis sich die Spuranzahl wieder auf drei reduziert hat. Wahrscheinlich haben wir so hundert Schleichwege verpasst und auch nicht viel mehr von der Stadt gesehen, als eine Skyline die an Frankfurt im Sommer erinnert, aber wir hatten ja Zeit. Im Nachhinein denke ich, unser Navi hat uns in die Stadt geschickt, damit wir auf dieser Reise zumindest etwas Spannendes sehen. Denn sobald wir die Stadt verlassen hatten, ging es für hunderte und hunderte Kilometer auf der Überlandstraße nur geradeaus. Man könnte meinen, die Straße sei mit dem Lineal gezogen worden. Zusätzlich waren wir hier fast meist allein auf der Straße, sodass es die größte Herausforderung war, die Geschwindigkeitsbeschränkung von 120km/h nicht zu überschreiten. Denn da anscheinend jeder Polizist eine Laserpistole zu Weihnachten bekommen hat, war die Gefahr an die Seite gewunken zu werden stets akut. Die einzig spannende Abwechslung war die Frage, welche Tiere, die man ja schon von langer Entfernung sehen konnte, sich beim Nähern von der Straße bewegen würden, und welche nicht (Vögel fliegen schnell aber auf den letzten Drücker weg, Kühe bewegen sich nur langsam von der Straße und Hunde meist gar nicht).

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Kurz gesagt: ich war als Beifahrer nur mäßig begeistert. Die landschaftliche Abwechslung hat sich mit Maisfeldern und Weide auch in Grenzen gehalten, sodass ich froh war, als wir Richtung Blomfontein kamen. Hier wurde es immerhin noch einmal interessant, da unser Navi die Straße unserer Unterkunft nicht kannte, sondern uns nur einen GPS Punkt in Mitten des Nirgendwo zeigte. Die letzte Stunde verbrachten wir daher damit, am Rande der Stadt auf Schotterwegen herum zu kurven und unser B&B zu suchen, das sich schließlich in einer letzten Nebenstraße ohne Straßennamen und ohne Straßennummer fand.

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Der nächste Tag verlief wenig anders. 380 und 270 Kilometer vor Port Elizabeth waren jeweils eine Kurve und zwischendurch war linker Hand ein Tafelberg zu sehen, wobei letzter wirklich beeindruckend war. Immerhin konnte ich die Zeit nutzen, um etwas über den Verkehr zu lernen:

  1. Ein Auto zu haben, ist unumgänglich. Bis auf den Gauteng Zug zwischen Pretoria/Twsahne und Johannesburg gibt es kein gutes Zugnetz. Auch Busse fahren so gut wie gar nicht und die Anschaffung eines Fahrrades ist schon aufgrund des mangelnden Angebotes wenige empfehlenswert. In den Städten fahren Minitaxen, deren System ich allerdings noch nicht verstanden habe. Sie fahren immer und überall. Sie hupen um auf sich aufmerksam zu machen (auch dies immer und überall) und der Beifahrer ruft (auch dies immer und überall) den Namen des Gebietes in das sie fahren. Da ich aber des Xhosas nicht mächtig bin, bezweifle ich, das ich damit am Ende auch da ankommen würde, wo ich hinmöchte. Da auch das zu Fuß gehen aufgrund der Distanzen wenig Sinn macht, ist hier alles auf der Straße was irgendwie noch fährt.
  2. Es herrscht Linksverkehr. Auf der „falschen“ Seite zu fahren, geht nach kurzer Gewöhnung recht gut, da man sich gut in den Verkehrsfluss einreihen kann. Fahrfehler interessieren hier kaum jemanden, da eigentlich sowieso jeder fährt wie er will. Während ich den Linksverkehr auf den Straßen recht schnell innehatte, habe ich weiterhin Probleme als Fußgänger. Ich laufe immer noch rechts, sodass ich von weiten als Tourist erkannt werde, und stoße auch im Supermarkt regelmäßig mit anderen Einkaufswagen zusammen, da ich falsch um die Ecke biege.
  3. Die Ampeln befinden sich hinter den Kreuzungen. Das ist eine Sache, die mich verrückt macht.
  4. Es wird ständig gebaut. Vor allem auf den Überlandstraßen aber auch in der Stadt. Auffällig ist dabei, dass ein Baustelle von vielleicht fünfhundert Metern durchaus eine Spursperrung von fünf bis zehn Kilometern nach sich ziehen kann. So haben wir teilweise selbst auch auf der Autobahn nur 50 Kilometer in der Stunde geschafft, da zur Regelung des einspurigen Verkehrs Ampeln aufgestellt wurden, die nur alle 15 Minuten umschalteten.
  5. Es gibt die „Shoulder“. Etwa so etwas wie den Standstreifen auf der deutschen Autobahn. Dieser Streifen Straße ist multifunktionsfähig zu nutzen: als Fußweg, Standstreifen, vor allem aber als Ausweichspur während des Überholvorgangs. Dies ist zwar keine erlaubte, dafür aber gut gelebte Praxis sogar von der Polizei der man sich schnell anschließt, inklusive des Warnblinkens als Dankeschön.

Trotz oder zum Teil vielleicht auch wegen dieser Punkte fühle ich mich recht sicher im Straßenverkehr. Zumindest, solange die Sonne scheint und Autos mit keinem oder nur schlecht eingestellten Licht, kein Problem sind.

english version:

The first official task my husband was to drive his company car from Pretoria/Tswahne to Port Elizabeth. That´s a distance of about 1.200 kilometres. What a great opportunity for a road trip and to see something from the country. Or at least that´s what I thought. And how nice we are having a stopover in Bloemfontein. Not one of the most beautiful cities here, we were told, but a nice place to stay for one night.

We started at ten in the morning from Pretoria, which is really late. But we thought that once we started after breakfast, there won´t be much intra-city commuting. At least, that´s what we hoped for. So we weren´t mad when our gps directed us straight into the heart of Johannesburg. I haven’t seen Johannesburg yet, so I was curious how the city so many people are afraid of and so many people say it would have the most stunning night life would look like. And I daresay: I had a lot of time to see the city from the window of our car. Once we were in Johannesburg, we slid in a big traffic jam which didn´t end until we left the city. Suddenly the streets had seven lanes, all of them totally jam-packed, and we had no clue if we were on the right one or not. We did the only thing we thought would be reasonable: stay on the middle lane until the number reduces back to three lanes again. We probably were missing hundreds of secret paths or anything but the skyline from Johannesburg (that reminded me of Frankfurt during summer), but we had time. Afterwards I´m pretty sure our gps did this on purpose so that we will see at least something interesting on our trip. Because after we left Johannesburg there were hundreds of hundreds of kilometres of rural road just going straight ahead. If I had to guess I would say they built this road with a ruler. In addition most of the time we were the only people on the road so that it was quite a challenge not to drive faster than the allowed 120 kilometres per hour. Because it seemed that all police officers got laser pistols for Christmas so that there was always the risk to get stopped. The only thrilling question during the trip was if the animals, you could see from a kilometres distance, would move from the street or not (birds fly away very fast but always at the last second, cows are moving very slowly and most of the dogs don´t move at all).

In a nutshell: as an assistant driver I wasn´t amused that much. The landscape also changed only from cornfields to meadows, so that I was really glad when we approached Bloemfontein. At least it gets interesting because our satnav didn´t knew the street of our B&B. It just could give us a hint, while showing us a location right in the middle of nowhere. So we spent the last hour of this day with driving on gravel roads on the outskirts just to find our B&B in a street without any name ore any number.

The next day was quite the same. 380 and 270 kilometres before Port Elizabeth there was a curve and we also saw a table mountain which was quite impressive. At least I could spent some time to learn about the traffic here:

  1. It is necessary to have a car. Except for the Gauteng Train between Pretoria/Tswahne and Johannesburg there is no (safe) railway service. There are also nearly no busses and going by bike is not really an option, since there are no bicycles available in the shops (except you are looking for racing or downhill bikes at the price of a car). There are a lot of so called Minitaxis, but I haven´t understood their system yet. They drive everywhere. They are always honking and the assistant driver is always yelling where they are heading. But since I´m not fluent in Xhoasa I´m sure I won´t reach my destination. Walking also is not an option because of the distances, so everything that drives is on the road.
  2. You have to drive on the left. To drive on the “wrong” lane works well after a short time of familiarization. You just can swim with the traffic stream. Nearly nobody cares for your driving mistakes, because everybody drives as he wants to anyway. The only thing I´m still struggling with is walking on the left side. I´m still walking on the right side so everybody identifies me as a tourist and in the supermarket I´m regularly having crashes with other people’s shopping carts, because I´m going wrong around the corner.
  3. The traffic lights are behind the crossroads. This drives me crazy.
  4. There is always something build. Especially on the rural roads. It is striking that road works of about five hundred metres involve lane blockings of five to ten kilometres. So once we needed an hour to drive 50 kilometres of freeway, because if a lane is closed the traffic is routed on the lane that’s left through traffic lights which are switching once in every fifteen minutes.
  5. There is the so called “shoulder”. It can be compared to the German emergency lane. But here it is multifunctional. It is used by passengers, used as a breakdown lane but most important as a side track in case the cars behind you want to pass. This isn´t actually allowed but often practiced even by and for the police so you get used to it really fast just like to using the hazard flashes as a Thank you.

Despite or maybe because of this points I´m feeling safe. At least as long as the sun shines, so that there are no cars on the street with a bad lighting system or no system at all.

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