Bessere Tage

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(english version below)

Um am Wochenende aus der Stadt zu kommen müssen wir uns vorerst noch einen Mietwagen holen, denn leider darf der Dienstwagen für private Zwecke nicht genutzt werden. Da es am hiesigen internationalen Flughafen mehr Mietwagen als Flugzeuge gibt, machen wir uns Freitag Abend mit dem Taxi zum Flughafen. Aus Sicherheitsgründen wurde uns ein Taxiunternehmen (Blunden) besonders ans Herz gelegt, aber da dieses auch das teuerste vor Ort ist und die derzeit größte von Taxifahrern ausgehende Gefahr (gezieltes chauffieren von Touristen zu Banken, an denen die Geldautomaten nicht funktionieren, sodass „Mitarbeiter“ der Bank Ihnen das Geld abheben erleichtern…) gedämmt ist, entscheiden wir uns für ein anderes Unternehmen, dessen Wagen zwar schon bessere Tage gesehen haben aber deren wichtigster Bestandteil, das Taxameter, noch funktioniert. Es zählt wie in Deutschland recht gut und recht schnell. Wir hingegen tuckern im Feierabendverkehr und durch Buschbrände dem Flughafen entgegen und sind am Ende ein kleines Vermögen los, mit dem man sich in Deutschland bei doppelt so hohen Benzinpreisen in einer S-Klasse durch die Stadt hätte fahren lassen können. Taxifahren ist hier also sehr teuer, wohingegen einem die Mietwagen fast hinterher geworfen werden. Laut unserer Vorabbestellung und Vorabzahlung per Kreditkarte bekommen wir einen Polo für 45 € das Wochenende bei unbeschränkter Kilometeranzahl (was nicht nur aufgrund der Distanzen hier empfehlenswert ist, sondern uns am folgenden Tag auch einiges an Zusatzkosten gespart hat, da wir uns trotz das es nur zwei Autobahnen gibt, total verfranzt haben). Ein Schnäppchen also. Mit dem Gedanken und der Vorfreude auf Muscheln sammeln am Lieblingsstrand betreten wir das Mietwagenbüro von Hertz. Und warten. Ein weiterer Kunde wird bereits bedient und wir werden von der im 1-Finger-System tippenden Dame darauf hingewiesen, dass der Computer heute langsam arbeitet. Es könne etwas dauern. Wir schauen uns die Wolken an, die immer dunkler und dunkler werden und auf Regen hoffen lassen. Bis wir dran sind, fallen dicke Tropfen auf die dampfenden Straßen. Da wir auf einen gewissen Aufwand vorbereitet sind, zücken wir gleich alle Fahrerlaubnisse, Personalausweise und Reisepässe die wir bieten können und warten bis alles gescannt, gedruckt, kopiert und ins heute sehr langsam arbeitende System eingetragen ist. Der Autoschlüssel liegt dann bereits zur Mitnahme bereit, als wir noch um unsere Kreditkarte gebeten werden. Was uns irritiert. Bezahlt ist ja schon. Die Rechnung haben wir sogar dabei. Das interessiert die Hertz-Dame leider wenig. Keine Karte die sie sich angucken kann, kein Auto. Aber kein Problem sagt sie, wenn wir ins unsere Unterkunft müssen um die Karte zu holen, könne sie uns helfen sagt sie und weist uns den Weg zum Taxistand. Keine andere Lösung? Keine andere Lösung!

Wir trotten durch den Regen zum Taxistand und finden unseren Taxifahrer, der verwundert die Augenbrauen hochzieht. „We forgot our Credit Card.“ Mehr braucht er nicht zu wissen um uns mitleidig anzuschauen, die Türen zu schließen und dann mit vollauf gedrehter Musikanlage zurück durch Buschbrände und langsam endenden Berufsverkehr zu unserem B&B zu fahren. Während mein Mann nicht nur seine Karte, sondern auch Geld für zwei zusätzliche Taxifahrten holt, versuche ich dem Taxifahrer zu erklären was los ist. „Oh I know these fucking days. That´s why I turned the music on so he can maybe calm down a little. Best is you buy a bottle of whine and forget about this shit.” Das wäre wohl wirklich eine gute Idee. Zumal ich ein schlechtes Gewissen habe. Eigentlich hätten wir zumindest mit dem Betriebsauto zum Flughafen fahren können. Das hätte aber gehiesen, dass ich mit einem Auto allein zurück fahren muss. Meine Fahrkünste haben sich im Linksverkehr aber bisher in Grenzen gehalten. Bereits beim Einsteigen greife ich ins Leere, wenn ich mich anschnallen will. Ich bin ständig im falschen Gang, da ich es gewöhnt bin den Schalthebel beim hoch schalten von mir weg zu drücken anstatt zu mir ran zu ziehen. Ich stottere also im Verkehr ziemlich rum. Noch dämlicher sieht es aus, wenn ich blinken will, weil ich dann stets mit wild wedelnden Scheibenwischern um die Kurve gurke. Wenn ich mir mich dann noch allein im Auto vorstelle, bekomme ich Bedenken, ob ich überhaupt ankommen würde oder schon vorher aus dem Verkehr gezogen würde. Also war ich es, die auf ein Taxi bestanden hatte. Weswegen ich jetzt rechne, wie viele Pancakes ich mir verkneifen muss, bis das Taxigeld wieder drin ist.

Kühles Schweigen charakterisiert unsere dritte Taxifahrt. Der Taxifahrer hat Erbarmen und schaltet den Taxameter aus und wünscht uns beim Aussteigen, dass wir uns nicht wieder sehen. Zumindest nicht heute. Wir hoffen das auch und legen der Hertz-Dame die Kreditkarte auf den Tresen. Sie gibt und den Rat, niemals unsere Kreditkarte daheim zu lassen: Das ist ein Tipp, den wir bisher nur anders herum gehört haben. Aber wir wollen uns jetzt nicht auf eine Diskussion mit der Hertz-Dame einlassen. Eigentlich wollen wir nur noch weg. Bevor das passieren kann, müssen wir allerdings das Ganze Verfahren noch einmal durchlaufen. Denn, herrje, der ausgerechnet heute langsam arbeitende PC hat sich leider nicht die Eingaben von vor 30 Minuten gemerkt. Mein Geduldsfaden ist langsam dünner als Zahnseide. Nah am reißen ist er, als wir die Kreditkarte nur unter der Bedingung zurückbekommen, dass wir sämtliche Steuern und Abgaben nochmal bezahlen, die wir laut unserer bereits beglichenen und ausgedruckten Rechnung aber bereits gezahlt haben. Kein Problem sagt die Hertz-Dame, sie könne uns helfen und reicht uns die E-Mail Adresse vom Hertz-Kundendienst. Und dies zusammen mit einem Schlüssel für ein Auto das erstens kein Polo ist, zweitens kein Fünftürer und drittens kein Wagen mit Gangschaltung. Da, sagt die Hertz-Dame könne sie uns leider nicht mehr helfen. Wenn wir kein Automatik fahren können sei dies unser Problem. Ein anderes Auto gibt sie uns nicht. Unter heftigsten Augenrollen und begleitet von einem Knall platzt der Geduldsfaden. Wir werden vor die Tür gesetzt. Verzweifelt und ohne weiteres Taxigeld setzen wir uns in einem Wagen, der uns Rätsel aufgibt. Weiter als bis zum Öffnen der Türen sind wir auch nach zehn Minuten nicht gekommen. Also versuchen wir es wie in der USA: wir suchen uns jemanden, der sich bereit erklärt uns auf dem Parkplatz Fahrstunden zu geben und der uns nach drei Runden um den Block in den Straßenverkehr entlässt. Und siehe da: es hat funktioniert. Nachdem man dem linken Fuß beigebracht hat, nichts zu tun, können wir endlich ins Wochenende fahren.

Ich möchte ja nun gern sagen, das wars. Aber nachdem wir nach der Wagenrückgabe im B&B gemerkt haben einen Führerschein im Wagen vergessen zu haben, hatten wir den ganzen Spaß nochmal. Aber wenigstens war’s diesmal seine Schuld

Better days

To get out of the city we still have to rent a car because we are not allowed to take the company car for private trips. Since there are more cars for rent than airplanes used at the international airport of Port Elizabeth, we went there by taxi last Friday. For safety reasons people told us to go only by one taxy company (Blunden). But since this is one of the most expensive and the biggest danger associated with taxi drivers (get driven to bank automats which are broken so that you would need assistance for your bank transfer from some of the “staff members”) is eliminated, we decided to go with a different taxi company. The cars of these company have seen better days, but the most important item, the taxameter, was intact. Like in Germany runs fast. We on the other hand chugged very slowly through the commuter traffic, through bushfires to finally achieve the airport. We paid a fortune you could use in Germany to let you drive through the city in a S-class even if the gas prices are much higher than here. So going by taxi isn´t cheap in Port Elizabeth. But renting a car is. We paid 45 Euros a weekend for a Polo with unlimited kilometres (what I would highly recommend – not only because of the distances here but also because it saved us a lot of money while we got totally lost in the traffic the next day). A total snip! With these thoughts in our mind and the anticipation of walking along our favourite beach we entered the rental office. And had to wait. There was another customer and the one-finger-system-using woman in charge told us that the computer is slow today. So it would unfortunately take longer. So we were watching the clouds getting darker and darker. Before it´s our turn, fat rain drops were falling on the steaming streets. Because we expected a lot of administration efforts, we pulled out all the driver licenses, identification cards, and passports we have and waited until everything is scanned, printed, copied and typed into the very slow working computer system. The keys were already waiting for us as the woman asked for our credit cards. We were confused because we had already paid. As proof, we even had the receipt with us. But she wasn´t interested in that. If there is no credit card there will be no car. But no problem she told us. She can help us, if we need to go back to our B&B to fetch the card. And then she showed us the way to the taxi rank. No other solution? No other solution!

We ambled through the rain to the taxi stand and found our taxi driver. He raised his eyebrows with surprise. „We forgot our credit card.“ He didn´t need to know more to look at us with pity, close the door and drive us back with a full turned on radio through bushfires and the slowly thinning out commuter traffic to our B&B. While my husband not only took his credit card but also money for the two additional taxi rides, I tried to explain what happened to the driver. „Oh, I know these fucking days. That´s why I turned the music on so he can maybe calm down a little. Best is you buy a bottle of whine and forget about this shit.” “That probably would be the best” I thought, because I was having a guilty conscience. Actually I felt like it is my fault. At least, we could had driven to the airport with the company car. But this would have meant for me to drive one car back. But my driving skills on the left lane haven´t been the best to be honest. I already have trouble finding the belt that I am always searching for on the wrong side. I shift to the wrong gear every time, because I´m used to pushing the gear lever away to upshift instead of pulling it towards me. So I´m totally obstructing traffic. It looks even more strange when I´m mistaking the turn signal with the windscreen wiper and turn around a corner with wild waggling windscreen wipers. If I imagine me alone in the car I doubt that I would reach my destination safely. So it was me who insisted on going by taxi. And that’s why I´m calculating now how many pancakes I mustn´t eat until the money for the taxi journey is counted up.

Our third taxi ride was characterized by a chilly silence. Our driver had mercy and didn´t put the taxameter on. As we left the car he wished us not to meet each other again. At least not at this evening. We were also hoping for the same when we presented our credit card to the women from the renting office. She was happy to give us the advice never to leave the apartment without the credit card. Absolut the opposite of what everybody was else telling us prior to that day. But we didn´t want to start a discussion. We only wanted to leave. But before this was going to happen we had to pass the whole procedure again. Because of the very slowly working computer which wasn’t able to remember the things she typed in half an hour ago. I started to get inpatient at this moment. It got worse when the women insists on us paying all the fees and taxes we already paid for once again. She again wasn’t interested in our receipt. Instead she gave us the email address of the Hertz customer service along with the key for a car that not only wasn´t a polo, but also didn’t have five doors and a stick shift either. She can´t help us with this, the women said. If we can´t drive an automatic cars that´s kind of our problem. There is no other car available, she explained to us. At this time we were at the end of our tether. We were shown the door. Desperate and without money left for a taxi we entered a car that was kind of a riddle to us. We couldn´t do more than open it. So we tried to learn driving a car like the people in the USA: we looked for a guy who was willing to show us how the automatic works and to drive a few rounds on the parking lot with us. After three rounds he considered us fit enough to enter road traffic. And it worked! After the left foot learned to do nothing, we were finally able to head towards weekend.

I would love to say: that´s it. But after we dropped up our car on Sunday and – already in the B&B – realized that one of our driver licenses was missing, we had the same fun the other way around. But at least this time it was HIS fault.

 

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Glasperlen

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(english version below)

Die erste offizielle Aufgabe meine Mannes war es seinen Dienstwagen von Pretoria/Tswahne nach Port Elizabeth zu überführen. Eine Distanz von ungefähr 1.200 Kilometern. Was für eine großartige Gelegenheit etwas vom Land zu sehen. Dachte ich. Und umso schöner, dass wir die Strecke nicht an einem Tag zurück legen mussten, sondern einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Bloemfontein einlegen durften. Nicht gerade die glänzendste Perle, hieß es um uns herum, aber ein nettes Plätzchen für eine Nacht.

Wir starteten für hiesige Verhältnisse mit zehn Uhr sehr spät von Pretoria aus. So würden wir einen großen Teils des Pendelverkehrs umgehen. So zumindest unsere Hoffnung. Daher fanden wir es zunächst auch nicht sehr schlimm, dass unser Navi uns, einmal aus Pretoria raus, direkt ins Herz von Johannesburg leitete. Johannesburg habe ich bisher noch nie besucht, weswegen ich neugierig war wie die Stadt aussieht, vor der viele einerseits Angst haben, die andererseits aber auch als die Stadt beschrieben wird, in der das Nachtleben besonders spannend ist. Und was soll ich sagen: ich hatte viel Zeit mir die Stadt vom Auto aus anzuschauen. Denn einmal in die Stadt gerutscht, schon stand man in einem Stau, der erst hinter der Stadt wieder aufhörte. Die Straßen hatten mit einmal sieben Spuren, alle waren bis zum Rand belegt und wir selber hatten nicht ansatzweise eine Ahnung, ob wir uns nun auf der richtigen Spur befinden oder nicht. Wir taten das für uns Logischste: in der Mitte einreihen und nicht mehr von dieser bewegen, bis sich die Spuranzahl wieder auf drei reduziert hat. Wahrscheinlich haben wir so hundert Schleichwege verpasst und auch nicht viel mehr von der Stadt gesehen, als eine Skyline die an Frankfurt im Sommer erinnert, aber wir hatten ja Zeit. Im Nachhinein denke ich, unser Navi hat uns in die Stadt geschickt, damit wir auf dieser Reise zumindest etwas Spannendes sehen. Denn sobald wir die Stadt verlassen hatten, ging es für hunderte und hunderte Kilometer auf der Überlandstraße nur geradeaus. Man könnte meinen, die Straße sei mit dem Lineal gezogen worden. Zusätzlich waren wir hier fast meist allein auf der Straße, sodass es die größte Herausforderung war, die Geschwindigkeitsbeschränkung von 120km/h nicht zu überschreiten. Denn da anscheinend jeder Polizist eine Laserpistole zu Weihnachten bekommen hat, war die Gefahr an die Seite gewunken zu werden stets akut. Die einzig spannende Abwechslung war die Frage, welche Tiere, die man ja schon von langer Entfernung sehen konnte, sich beim Nähern von der Straße bewegen würden, und welche nicht (Vögel fliegen schnell aber auf den letzten Drücker weg, Kühe bewegen sich nur langsam von der Straße und Hunde meist gar nicht).

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Kurz gesagt: ich war als Beifahrer nur mäßig begeistert. Die landschaftliche Abwechslung hat sich mit Maisfeldern und Weide auch in Grenzen gehalten, sodass ich froh war, als wir Richtung Blomfontein kamen. Hier wurde es immerhin noch einmal interessant, da unser Navi die Straße unserer Unterkunft nicht kannte, sondern uns nur einen GPS Punkt in Mitten des Nirgendwo zeigte. Die letzte Stunde verbrachten wir daher damit, am Rande der Stadt auf Schotterwegen herum zu kurven und unser B&B zu suchen, das sich schließlich in einer letzten Nebenstraße ohne Straßennamen und ohne Straßennummer fand.

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Der nächste Tag verlief wenig anders. 380 und 270 Kilometer vor Port Elizabeth waren jeweils eine Kurve und zwischendurch war linker Hand ein Tafelberg zu sehen, wobei letzter wirklich beeindruckend war. Immerhin konnte ich die Zeit nutzen, um etwas über den Verkehr zu lernen:

  1. Ein Auto zu haben, ist unumgänglich. Bis auf den Gauteng Zug zwischen Pretoria/Twsahne und Johannesburg gibt es kein gutes Zugnetz. Auch Busse fahren so gut wie gar nicht und die Anschaffung eines Fahrrades ist schon aufgrund des mangelnden Angebotes wenige empfehlenswert. In den Städten fahren Minitaxen, deren System ich allerdings noch nicht verstanden habe. Sie fahren immer und überall. Sie hupen um auf sich aufmerksam zu machen (auch dies immer und überall) und der Beifahrer ruft (auch dies immer und überall) den Namen des Gebietes in das sie fahren. Da ich aber des Xhosas nicht mächtig bin, bezweifle ich, das ich damit am Ende auch da ankommen würde, wo ich hinmöchte. Da auch das zu Fuß gehen aufgrund der Distanzen wenig Sinn macht, ist hier alles auf der Straße was irgendwie noch fährt.
  2. Es herrscht Linksverkehr. Auf der „falschen“ Seite zu fahren, geht nach kurzer Gewöhnung recht gut, da man sich gut in den Verkehrsfluss einreihen kann. Fahrfehler interessieren hier kaum jemanden, da eigentlich sowieso jeder fährt wie er will. Während ich den Linksverkehr auf den Straßen recht schnell innehatte, habe ich weiterhin Probleme als Fußgänger. Ich laufe immer noch rechts, sodass ich von weiten als Tourist erkannt werde, und stoße auch im Supermarkt regelmäßig mit anderen Einkaufswagen zusammen, da ich falsch um die Ecke biege.
  3. Die Ampeln befinden sich hinter den Kreuzungen. Das ist eine Sache, die mich verrückt macht.
  4. Es wird ständig gebaut. Vor allem auf den Überlandstraßen aber auch in der Stadt. Auffällig ist dabei, dass ein Baustelle von vielleicht fünfhundert Metern durchaus eine Spursperrung von fünf bis zehn Kilometern nach sich ziehen kann. So haben wir teilweise selbst auch auf der Autobahn nur 50 Kilometer in der Stunde geschafft, da zur Regelung des einspurigen Verkehrs Ampeln aufgestellt wurden, die nur alle 15 Minuten umschalteten.
  5. Es gibt die „Shoulder“. Etwa so etwas wie den Standstreifen auf der deutschen Autobahn. Dieser Streifen Straße ist multifunktionsfähig zu nutzen: als Fußweg, Standstreifen, vor allem aber als Ausweichspur während des Überholvorgangs. Dies ist zwar keine erlaubte, dafür aber gut gelebte Praxis sogar von der Polizei der man sich schnell anschließt, inklusive des Warnblinkens als Dankeschön.

Trotz oder zum Teil vielleicht auch wegen dieser Punkte fühle ich mich recht sicher im Straßenverkehr. Zumindest, solange die Sonne scheint und Autos mit keinem oder nur schlecht eingestellten Licht, kein Problem sind.

english version:

The first official task my husband was to drive his company car from Pretoria/Tswahne to Port Elizabeth. That´s a distance of about 1.200 kilometres. What a great opportunity for a road trip and to see something from the country. Or at least that´s what I thought. And how nice we are having a stopover in Bloemfontein. Not one of the most beautiful cities here, we were told, but a nice place to stay for one night.

We started at ten in the morning from Pretoria, which is really late. But we thought that once we started after breakfast, there won´t be much intra-city commuting. At least, that´s what we hoped for. So we weren´t mad when our gps directed us straight into the heart of Johannesburg. I haven’t seen Johannesburg yet, so I was curious how the city so many people are afraid of and so many people say it would have the most stunning night life would look like. And I daresay: I had a lot of time to see the city from the window of our car. Once we were in Johannesburg, we slid in a big traffic jam which didn´t end until we left the city. Suddenly the streets had seven lanes, all of them totally jam-packed, and we had no clue if we were on the right one or not. We did the only thing we thought would be reasonable: stay on the middle lane until the number reduces back to three lanes again. We probably were missing hundreds of secret paths or anything but the skyline from Johannesburg (that reminded me of Frankfurt during summer), but we had time. Afterwards I´m pretty sure our gps did this on purpose so that we will see at least something interesting on our trip. Because after we left Johannesburg there were hundreds of hundreds of kilometres of rural road just going straight ahead. If I had to guess I would say they built this road with a ruler. In addition most of the time we were the only people on the road so that it was quite a challenge not to drive faster than the allowed 120 kilometres per hour. Because it seemed that all police officers got laser pistols for Christmas so that there was always the risk to get stopped. The only thrilling question during the trip was if the animals, you could see from a kilometres distance, would move from the street or not (birds fly away very fast but always at the last second, cows are moving very slowly and most of the dogs don´t move at all).

In a nutshell: as an assistant driver I wasn´t amused that much. The landscape also changed only from cornfields to meadows, so that I was really glad when we approached Bloemfontein. At least it gets interesting because our satnav didn´t knew the street of our B&B. It just could give us a hint, while showing us a location right in the middle of nowhere. So we spent the last hour of this day with driving on gravel roads on the outskirts just to find our B&B in a street without any name ore any number.

The next day was quite the same. 380 and 270 kilometres before Port Elizabeth there was a curve and we also saw a table mountain which was quite impressive. At least I could spent some time to learn about the traffic here:

  1. It is necessary to have a car. Except for the Gauteng Train between Pretoria/Tswahne and Johannesburg there is no (safe) railway service. There are also nearly no busses and going by bike is not really an option, since there are no bicycles available in the shops (except you are looking for racing or downhill bikes at the price of a car). There are a lot of so called Minitaxis, but I haven´t understood their system yet. They drive everywhere. They are always honking and the assistant driver is always yelling where they are heading. But since I´m not fluent in Xhoasa I´m sure I won´t reach my destination. Walking also is not an option because of the distances, so everything that drives is on the road.
  2. You have to drive on the left. To drive on the “wrong” lane works well after a short time of familiarization. You just can swim with the traffic stream. Nearly nobody cares for your driving mistakes, because everybody drives as he wants to anyway. The only thing I´m still struggling with is walking on the left side. I´m still walking on the right side so everybody identifies me as a tourist and in the supermarket I´m regularly having crashes with other people’s shopping carts, because I´m going wrong around the corner.
  3. The traffic lights are behind the crossroads. This drives me crazy.
  4. There is always something build. Especially on the rural roads. It is striking that road works of about five hundred metres involve lane blockings of five to ten kilometres. So once we needed an hour to drive 50 kilometres of freeway, because if a lane is closed the traffic is routed on the lane that’s left through traffic lights which are switching once in every fifteen minutes.
  5. There is the so called “shoulder”. It can be compared to the German emergency lane. But here it is multifunctional. It is used by passengers, used as a breakdown lane but most important as a side track in case the cars behind you want to pass. This isn´t actually allowed but often practiced even by and for the police so you get used to it really fast just like to using the hazard flashes as a Thank you.

Despite or maybe because of this points I´m feeling safe. At least as long as the sun shines, so that there are no cars on the street with a bad lighting system or no system at all.

Dark Isle

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Im Januar hatte ich noch einen schönen Mädchenstrickabend mit viel Tee und Kuchen, einem schnurrenden Kater, viel Gelächter und Musik, einem Schneesturm vor der Tür und endlich einer Möglichkeit das Fair Isle Stricken zu lernen. Solange wie das schon auf meiner Wunschliste stand, so dämlich habe ich mich auch immer wieder dabei angestellt, die verschiedenen Fäden auf den Fingern zu halten. Mit viel Geduld, einer Strickhilfe, fortwährenden Jubelrufen bei jeder erledigten Runde und einem ordentlichen Schulterklopfen konnte mir geholfen werden, sodass ich am Ende tatsächlich mit einer viertel Socke nach Hause gegangen bin. Endlich sind diese und der passende Partner fertig geworden und ich bin voller Freude über die beiden. Nun kann ich meine fleißig gesammelten Strickmuster im Norwegerlook endlich auch angehen. Vielen Dank Mädels dafür!

Das Strickmuster gibt’s übrigens hier. Ich habe die Socken allerdings nicht von den Zehen her begonnen, sondern wie üblich vom Bündchen her. Da die Beschreibung sehr ausführlich ist, war der andere Beginn kein Problem. Allerdings musste ich für das Fair Isle Muster immer eine Nadelgröße größer verwenden, da die Socken sonst so straff geworden wären, dass ich kaum hineingekommen wäre.

Happy knitting!

Niemandsland

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(english version below)

Ich bin angekommen. In Südafrika. In Pretoria. Ein bisschen auch bei mir.

Die letzten Verabschiedungen am Bahnhof wurden begleitet von einem kleinen Schock. Nicht mit dem dreimaligen Packen meiner Koffer („Ich packe meine Koffer und nehme mit… ach Mist, das muss wieder raus. Zu viel. Zu schwer. Zu sperrig.“), nicht mit dem vorerst letzten gemeinsamen Frühstück in der Familie und nicht mit dem Kaufen der Zugkarten wurde mir bewusst, was ich im Begriff bin zu tun, sondern erst mit dem Einsteigen in den Zug. Zwei Jahre. 731 Tage. 17.544 Stunden. 1.052.640 Minuten. Kein Geruch von Muttis Waschmittel. Kein Geschmack von selbstgebackenem Geburtstagskuchen. Kein Geräusch aus dem knarzenden Haus. Statt dessen gar kein zu Haus. Jedenfalls im Moment noch nicht. Alles was ich besitze ist ein vollgestopfter Koffer, ein vollgestopfter Rucksack und einen Sitzplatz im Flugzeug. Mein Mann reicht mir Taschentücher und ich lasse die wohl bekannte Landschaft an mir vorüberziehen. Ich betrete emotionales Niemandsland. Weder verspüre ich Vorfreude, noch Aufregung, noch Angst. Nicht einmal der Flug selbst kann dies ändern, obwohl er mich sonst zu einer Salzstatue erstarren lässt, deren Hände so fest in die Sitzlehnen gekrallt sind, dass sie fast eins mit ihr sind. Heute jedoch übermannt mich der Schlaf. Als Geschenk lässt er mir eine Portion Gelassenheit da, die so gewaltig ist, dass sie sämtliche Zweifel der letzten Wochen an die Wand spielt.

So lande ich butterweich. Werde von klassischer Musik begleitet in ein B&B gefahren. Von einer verschmusten Rottweilerdame um Aufmerksamkeit gebeten und von neuen Gesichtern mit veganen Burgern versorgt bis mir der Bauch zu platzen droht. Es ist schön hier. Es ist warm hier. Die Luft riecht, als wäre sie gezuckert. Sie ist leichter, trockener und voller fremder Vogellaute. Leider beginnt die erste Woche aber kaum anders, als die letzte geendet hat. Auch hier stehen zunächst Verwaltungswege an, um Fragen der Visa (check), der Arbeitserlaubnis (check), der Erreichbarkeit (zumindest im mobilen Bereich check), der Wohnung (noch nicht check), der Fortbewegung (zumindest privat noch kein check) und der medizinischen Versorgung (check) zu klären. Ein paar Stunden habe ich aber dennoch abzwacken können, um zumindest einen kleinen Teil Pretorias kennen zu lernen:

Die Union Buildings bilden den Sitz der südafrikanischen Regierung. Der Bau ist mit seinen 285 Metern so lang, dass man ihn kaum auf ein Bild bekommt. Da er aber über der Stadt gelegen ist, wird man mit einem schönen Blick über die Stadt entschädigt. Fast als Herzstück der unter dem Gebäude angelegten Terrassen möchte ich die neun Meter hohe Bronzestatue Nelson Mandelas bezeichnen, die im Rücken die Union Buildings hat und das Gesicht und die erhobenen, ausgebreiteten Hände zur Stadt richtet. Es vergeht keine Minute, in der sich hier nicht zahlreiche Touristen vor der Statue fotografieren oder gegen ein ordentliches Entgelt fotografieren lassen. Da ich auf letzteres gut und gerne verzichten kann, haben wir uns, wie viele andere Südafrikaner auch, mit einem Eis in der Hand und einem Panorama vor der Brust auf die Terrassenbänke gesetzt und die Sonne genossen.

Der Botanische Garten stand eigentlich nicht auf meinem Plan, welcher aber nach einer Einladung eines B&B „Mitbewohners“ gern geändert wurde. Mit meinem Makroobjektiv bewaffnet haben wir uns auf den Weg gemacht. Schon auf dem riesigen Parkplatzgelände wurde mir schnell bewusst, dass botanische Gärten nicht gleich botanische Gärten sind. Während meine Besuche in Jena oder Oldenburg davon ausgezeichnet waren meist allein auf dem Gelände unterwegs zu sein, tummeln sich hier hunderte von Menschen auf den großen Parkanlagen, die in den Garten integriert sind. Darunter finden sich Künstler mit Leinwänden, dösende Muttis und Kindergeburtstage, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Das Gelände ist so weitläufig, dass es kaum an einem Nachmittag abzulaufen ist. Mein Makroobjektiv konnte ich nach ein paar Minuten wieder einpacken, als ich merkte, dass ich hier weniger mit kleinen zarten Pflänzchen, sondern eher mit groben Palmen, widerstandsfähigen Kakteen und riesigen Pflanzen deren Namen ich weder aussprechen noch mir merken konnte, rechnen muss.

Am schönsten fand ich das städtische Bird Sanctuary. Zunächst war ich skeptisch: ich stand vor dem Eingang und musste keinen Eintritt bezahlen. Wenn man es wie in Deutschland gewohnt ist für jedes Museum, jeden noch so kleinen und verdreckten Badesee, ja sogar für Toiletten Eintritt zu bezahlen, erwartet man zunächst nicht allzu viel, wenn keine Gebühr sondern nur Ruhe verlangt wird. Flächenmäßig betrachtet bekommt man auch nur einen kleinen Steg mit Sichtschlitzen von vielleicht 200 Metern Länge geboten. Dafür aber eine zahlreiche Artenvielfalt an Vögeln, die sich im und am Seeufer ausruhen, nach Fischen jagen und im Schilf Nester anlegen, sodass ich ein paar geschlagene Stunden dort Platz genommen und mir von anwesenden Birdern erklären lassen habe, was ich hier alles sehe. Wer wie ich irgendwann hungrig wird, kann hier dann auch ein paar hundert Meter am See entlang zu einem Restaurant laufen, dort direkt am Ufer sitzen, fantastisches Essen genießen und mit etwas Glück, wie wir es hatten, Besuch von einem Paradieskranich bekommen.

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I have arrived. In South Africa. In Pretoria. In some kind at myself.

The last Goodbyes at the train station came along with a little shock. Neither the third time of unpacking and packing my suitcase (“I´m packing my suitcase and will take with me… oh no, I have to unpack this and that. It´s to much. It´s to heavy. It´s to bulky.“) nor the last breakfast with my family or purching my tickets for the train helped me to recognize what I´m about to do. But entering the train did. Two years. 731 days. 17.544 hours. 1.052.640 minutes. No smell of my mothers washing powder. No taste of homemade birthday cakes. No creaking sounds of our house. Instead I´m having no home at all at the moment. All I possess right now are a jam-packed suitcase, a jam-packed backpack, and a plane ticket. My husband passes me some tissues and I´m watching the well-known landscapes passing by. I´m entering emotional no man´s-land. I´m neither feeling a pleasant anticipation nor excitement or fear. Not even the flight itself is able to change this, although I´m usually so scared stiff, that my hands are clawed so deep in my hand rests that they nearly become one. Today I´m so overpowered I fell asleep immediately. And as a gift I wake up with a big portion of calmness that outacts all doubts of the last weeks.

So I landed really soft. I was picked up and brought to a B&B accompanied by classical music. A really cuddly Rottweiler directed my attention to her and I ate some very tasty vegan burgers until I couldn´t eat no more. It really is nice here. It´s warm here. The air is sugared. The air is lightweight and dry and full of never heard bird sounds. Unfortunately this weeks begins as the last one ended. We had to do a lot of administrate stuff e.g. regarding our visas (check), our employment permit (check), our availability (mobil: check), our flat (not checked), our mobility (not checked yet) and our health care (check). But I was able to pinch of a few hours to visit some of Pretoria´s places of interest:

The Union Buildings are the seat of South African government. It is barely possible to take a picture covering it entirely since the building is 285 meters long. But the good thing is, it is situated on a little hill so that you have a good view above the whole city. The 9 meter big statute of Nelson Mandela might be the heart of the multilevel terraces that are located in front of the buildings. He is looking towards the city with arms wide open. It doesn’t go by a single minute while tourists are not standing in front of him trying to get a good picture of themselves and the statue. I can do without the latter so we bought some ice cream like other South Africans and enjoyed the panorama as well as the sun.

To visit the Botanical Garden wasn´t part of my original plan but as we were invited by a guy who lived in the same B&B we changed our plans. Heavily armed with my macro-lenses we set off. As soon as we arrived the parking lot I realized that there is no botanical garden like the other. While I was the only visitor in the botanical gardens in Jena or Oldenburg here the whole nation seems to be in the big parkways that are integrated in the garden. There are artists painting on canvas, mothers dozing in the sun, and birthday parties for children I only knew from American movies. The area is so roomy I could spend the whole afternoon here without seeing everything. But I had to pack my lenses back in my bag as I realized that I won´t find small little flowers here but more big palms, resistant cactuses, and huge plants which names I neither can spell nor remember.

I liked the Bird Sanctuary the most. First I was skeptical: I was standing in front of an entrance but no one was there who asked me to pay for the admission. If you come from Germany like I do, you are used to pay for every museum, every dirty swimming lake and even every toilet use. So I didn´t expected too much. And to be honest there is only a wooden floor of about 200 meters length with small viewing slots on one side. But you will see a richness in birds which are relaxing on the shore, hunting fishes, or building nests so that it is easy to spend hours there while present birders are telling you what species are flying around you. And if you get hungry like I did, there is a restaurant just a few hundred meters away where it is possible to sit on the shore, enjoy fantastic food and if you are lucky like us you get a visit from a blue crane.

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